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Start-up-Wettbewerb
Weconomy: Starke Ideen von kranken Tomaten bis zum Kinderwunsch

Bei „Weconomy“ pitchen Start-ups um Beratung durch etablierte Firmen. Das gemeinsame Ziel: aus guten Ideen große Unternehmen machen.

29.09.2022 | von Larissa Holzki

Theresa Vilsmaier

Theresa Vilsmaier muss sich kurzfassen. Wie alle Gründerinnen und Gründer hat auch die Gynäkologin und Reproduktionsmedizinerin beim Start-up-Wettbewerb nur fünf Minuten Zeit, sich und die Idee für ihr Jungunternehmen vorzustellen.

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„Jedes sechste Paar hat einen unerfüllten Kinderwunsch“, beginnt Vilsmaier ihren Vortrag. Und in drei von vier Fällen werde die Unfruchtbarkeit zu spät festgestellt. Gründe gibt es dafür aus ihrer Sicht gleich mehrere: Einerseits suchten die betroffenen Frauen aus Schamgefühl nur selten Rat in einer spezialisierten Kinderwunschklinik.

Andererseits seien die stattdessen konsultierten Frauenärzte im entscheidenden Fachgebiet der Hormonmedizin zu schlecht ausgebildet. „Wir befinden uns in einer diagnostischen Krise“, sagt Vilsmaier.

Aus den Reihen der Jurymitglieder bekommt sie in diesem Moment ein erstes zustimmendes Nicken. Später werden sie sich darauf einigen, dass das Berliner Start-up Levy Health zu den zehn diesjährigen Gewinnern in dem Wettbewerb gehören soll.

Denn Vilsmaier verspricht, dass sie und ihre Mitgründerinnen mit einer speziellen Software für Fruchtbarkeitsdiagnostik die durchschnittliche Diagnosezeit von viereinhalb Jahren auf zwei Wochen verkürzen können – und Weconomy ist der Wettbewerb, der sich zum Ziel gesetzt hat, aus guten Ideen erfolgreiche Unternehmen zu machen.

Sieger-Start-ups treffen Chefs von Bosch, BASF und Co.

Hinter der Initiative stehen das Münchener Gründerzentrum UnternehmerTUM und das Wirtschaftsnetzwerk Wissensfabrik, in dem sich mehr als 130 Unternehmen engagieren. Wer bei Weconomy gewinnt, lernt hochrangige Manager von Unternehmen wie Bosch, BASF, Boehringer Ingelheim und EnBW kennen und wird in Workshops etwa zu Markt und Vertrieb geschult.

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Am Ende sollen beide Seiten profitieren. Auch darauf sollen die Juroren achten, die Expertise aus Start-up-Finanzierung, Unternehmensberatung, Gründertum und Journalismus mitbringen. Darauf weist der Juryvorsitzende und frühere Geschäftsführer der Unternehmensberatung Roland Berger, Burkhard Schwenker, seine Kollegen zu Beginn noch einmal hin: „Wir wollen auf neue Technologien achten. Und der Austausch soll für die etablierten Unternehmen spannend sein.“

Levy Health zielt auf einen Markt ab, der bis 2025 nach Aussage von Theresa Vilsmaier auf mehr als 78 Milliarden Dollar wachsen soll. Jetzt sucht die Jungfirma Kontakt etwa zu Krankenversicherungen, Personalvorsorgeeinrichtungen und Pharmaunternehmen, die potenzielle Käufer der Fruchtbarkeitsdiagnostik-Lösung sein könnten.

Die Wagniskapitalinvestorin Bettine Schmitz vom Wagniskapitalgeber Auxxo ist sich sicher, dass sich das Netzwerk der Jungfirma annehmen wird: „Das Levy-Health-Team mit der Paarung von ärztlicher und betriebswirtschaftlicher Expertise und Erfahrung hat ein Angebot gestrickt, das wirklichen Mehrwert bei den Patientinnen kreieren kann.“

Jörn-Philipp Lies

Breites Spektrum an innovativen Ideen

Den Juroren bot sich am Donnerstag auch ein Überblick über die deutsche Innovationslandschaft.

Neben Levy überzeugte unter anderem das Team um die promovierte Physikerin Henriette Maaß, die mit Nanostruct kleinste Verunreinigungen und Schadstoffe schneller sichtbar machen will – etwa um frühzeitig Erkrankungen von Tomatenpflanzen zu erkennen.

Deep Scenario um den früheren Bosch-Forschungsingenieur Holger Banzhaf entwickelt eine Lösung für Kunden aus der Automobilindustrie, um das Trainieren autonomer Fahrzeuge zu beschleunigen. Andreas Eberhardt vereinfacht mit Pionierkraft den wirtschaftlichen Betrieb von Photovoltaikanlagen auf kleinen Mehrfamilienhäusern.

Papair von Christopher Feist entwickelt innovative Technologien für die Produktion von Packmitteln. Bersa Shazimani und Celina Götte haben Juniorjob gegründet, um Jugendlichen per App bei der Suche nach Praktika und Nebenjobs zu helfen.

Gleich zwei Medizin-Start-ups schauen Patienten tief in die Augen: Eye2you von Firmenchef Jörn-Philipp Lies hat sich auf die Untersuchung der Netzhaut spezialisiert und bietet einen „Retinacorder“ an, der verschiedenste Krankheiten nachweisen können soll.

Gründer Manuel Opitz will mit Deepeye Medical Ärzte unterstützen, Patienten mit Augenerkrankungen datengestützt individuell zu therapieren. Merle Fuchs hat Pramomolecular gegründet, um neue Behandlungsmethoden für besonders aggressive Krebserkrankungen zu entwickeln.

In diesem Jahr geht der Wettbewerb bereits in die 16. Runde. Erstmals bewarben sich dabei 126 Teams. Zu den Siegern aus früheren Jahren gehören etwa das biopharmazeutische Unternehmen Curevac und der E-Bike-Hersteller Fazua, der jüngst von Porsche übernommen wurde.

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