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Start-up-Award
University Innovation Challenge: Diese erfolgreichen Gründer kommen aus dem Uni-Umfeld

Die Preisträger des Handelsblatt-Wettbewerbs stehen fest. Sie zeigen auch, dass deutsche Hochschulen Gründergeist hervorbringen können.

14.11.2019 | von Christoph Kapalschinski

Preisträger © Bernd Roselieb für Handelsblatt

Frankfurt Vielleicht ist es vor allem Selbstbewusstsein, das sich Gründer bei Andreas Winiarski abschauen können. Erst im Frühjahr vergangenen Jahres sei er zum ersten Mal nach China geflogen – und sei von dem Hightech-Land überwältig worden, erzählte der ehemalige Sprecher von Rocket Internet am Mittwochabend.

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Trotz der knappen Landeskenntnis habe er mit Partnern kurz entschlossen Awesome Capital gegründet, einen Risikokapitalgeber mit China-Schwerpunkt. Die anderen deutschen Investoren vernachlässigten die Chancen dort, meinte er.

Auch die Teams, die in Duellen um die Preise der Handelsblatt University Innovation Challenge gegeneinander antraten, haben mutig gegründet. Anders als Winiarski kannten sie sich in ihrem Feld aber schon bestens aus.

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Denn der Wettbewerb richtet sich an Gründungen aus dem Umfeld von Hochschulen im deutschsprachigen Raum. Von einer Jury vorausgewählte Gründer pitchten im Casino der Frankfurter Goethe-Universität in fünf Kategorien ihre Geschäftsmodelle, das Publikum entschied über die Sieger.

„Der Transfer von Wissen ist heute eine Kernaufgabe der Hochschulen“, sagte Friederike Lohse vom Förderverein der Goethe-Universität. Die Hochschule ist Mitveranstalter der Challenge. Dazu müssten die Universitäten gleichermaßen Unternehmergeist und Innovation fördern. Dass das bereits oft hervorragend gelingt, zeigten die zwölf Finalisten. Ihre Start-ups bauen auf eigene Forschung auf.

Der Award © Bernd Roselieb für Handelsblatt

So spürt etwa Uricell Stammzellen im Urin von Menschen auf, um diese zu vermehren und für Forschung und Pharmaindustrie nutzbar zu machen. Damit müssen Anwender nicht länger auf Gewebeproben aus Biopsien zurückgreifen.

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Nierenzellen in guter Qualität werden potenziell fast unbegrenzt verfügbar. Gründer Lucas-Sebastian Spitzhorn brachte ein tiefgekühltes Paket mit in den Pitch-Ring: „Da drin ist eine halbe Million Zellen“, sagte er.

Technologisch anspruchsvoll ist auch die Lösung von m-Bee. Die jungen Unternehmer arbeiten mit der Technischen Universität München und der dortigen Universität der Bundeswehr zusammen. Sie wollen Stromspeicher für die Energiewende schaffen, die ohne Wechselrichter auskommen. Eine Idee ist, dafür ausgediente Elektroauto-Akkus zu verwenden: Wenn sie nicht mehr die volle Kapazität speichern können, taugen sie zwar nicht mehr für den Straßenverkehr, könnten aber zusammengeschaltet zu stationären Energiespeichern umgewandelt werden.

„Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt für uns: Die Energiewende bringt uns unzuverlässigen Zappelstrom aus Wind und Sonne. Wir brauchen also Energiespeicher“, sagte Mitgründer Arthur Singer in Frankfurt. Schließlich ist das Thema Nachhaltigkeit längst bei den Weltkonzernen angekommen, wie der Auftritt des Themenpaten Sebastian Stiegler zeigte. Er kümmert sich bei Samsung Electronics um Nachhaltigkeit auf dem deutschen Markt.

Preis als Gütesiegel

Gegen eine spektakuläre Vision setzte sich Plasmion durch. Die „elektronische Nase“, die Moleküle in der Luft erkennt, trat im direkten Wettbewerb gegen Levity Space Systems an, ein Start-up, das Mini-Satelliten in eine Mondumlaufbahn bringen will. Das Frankfurter Publikum blieb jedoch lieber am Boden und wählte Plasmion mit 61,97 Prozent der Stimmen zum Sieger in der Kategorie „Future Engineering“.

Start-up-Expertin Lea Vajnorsky © Bernd Roselieb für Handelsblatt

Verbrauchernah sind zwei weitere Preisträger der Challenge: Die App Aivy bietet auf spielerische Weise Psychotests, um den jungen Nutzern die Berufswahl zu erleichtern. Nebenbei hilft sie auch älteren Nutzern, mehr über ihre Stärken und Schwächen zu erfahren. „Wir machen das vermeintlich langweilige Thema Berufsberatung ansprechend“, sagte Mitgründer Florian Dyballa.

Beim Publikum punkten konnte auch Faaren. Die Absolventen der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt bieten Autos im monatlich kündbaren Abo – inklusive Versicherung, Reparaturen und Reifen. „Alles ist drin außer Sprit und Scheibenwischwasser“, warb Mitgründer Daniel Garnitz. Anders als andere Auto-Abos bezieht Faaren dabei Autohäuser ein. „Das sind disruptive Fragen vom Kunden her gedacht“, lobte Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe die Idee.

Auch die Preisträger im Bereich „Future Materials“ denken vom Kunden aus – im speziellen Fall ist das etwa die Deutsche Bahn: Das Unternehmen Siut verbaut Lichtleiter in Betonbauteile. Damit können zum Beispiel Bahnsteigkanten flexibel beleuchtet werden – und somit anzeigen, wo ein Zug genau halten wird. Umgekehrt können die Bausteine auch messen, wo besonders viele Menschen stehen. „Wir haben uns überlegt: Wie wird Beton smart?“, beschrieb Siut-Experte Vincent Genz die Ideenfindung.

Den Schwung, den die Auszeichnung bringen kann, schilderte einer der Preisträger aus dem vergangenen Jahr. Der Preis diene als Gütesiegel gegenüber potenziellen Kunden, sagte David Schneider. Seine Plattform Chemsquare hilft der chemischen Industrie, Zulieferer zu auditieren.

Maximilian Renoth © Bernd Roselieb für Handelsblatt

Er hatte zwei Ratschläge für andere Gründer: „Es ist gut, wenn man am Anfang nicht zu viel Geld zur Verfügung hat“, sagte er. Das motiviere dazu, das Geschäftsmodell genau auf seine Erfolgsaussichten abzuklopfen. Und: Wichtig sei, von Anfang an auf eine gute Unternehmenskultur zu achten, um für qualifizierte Bewerber attraktiv zu sein.

Klar war am Ende des Abends, dass eine Warnung von Investor Winiarski unnötig war: „Wir beten einen Götzen an: junge Menschen, die allein von sich überzeugt sind. Das allein reicht nicht“, hatte er gesagt. Die Gründer bei der University Innovation Challenge hatten alle Substanz.

Mehr: Noch nie floss mehr Geld in Gründungen in Deutschland. Doch der Fall WeWork hat aufgerüttelt: Experten warnen auch hierzulande vor einer Blase.

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