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Zulieferer
Continental entwickelt Supercomputer – so soll autonomes Fahren Realität werden

Mit einem leistungsstarken Rechner will Continental die Entwicklung der Roboterauto-KI stärker automatisieren – und ist damit sogar Tesla voraus.

28.07.2020| Update: 28.07.2020 - 09:52 Uhr | von Roman Tyborski

Continentals Superrechner © Continental

Düsseldorf Bei der Entwicklung des autonomen Fahrens gibt es bislang einen Flaschenhals, der die Entwicklung ausbremst: Das Trainieren der Künstlichen Intelligenz (KI). Derzeit passiert das größtenteils noch manuell. Menschen auf der ganzen Welt werten dafür Bilder aufgenommener Testfahrten aus. Auf diesen kennzeichnen sie per Hand alle Gegenstände, damit eine KI sie irgendwann selbst erkennen kann – ein ungeheurer Personal- und Zeitaufwand. Continental will diesen Prozess nun mithilfe eines eigenen Supercomputers beschleunigen.

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In Zusammenarbeit mit Nvidia hat der Zulieferer einen Rechner entwickelt, der auf Basis von KI schneller mit großen Mengen Daten angelernt werden kann. Außerdem ist er laut Conti auch in der Lage, Simulationen zu erstellen, die Testfahrten zum Teil ersetzen können. Der Supercomputer des Zulieferers zählt zu den 500 leistungsstärksten Rechnern der Welt und steht in Frankfurt.

Damit unternimmt Conti weitere Schritte, um den manuellen Anteil in der Entwicklung des autonomen Fahrens weiter zu reduzieren. Bereits vor einem Jahr hatte der Zulieferer sich am israelischen Start-up Cartica AI beteiligt, das mithilfe von KI bestimmte Objekte auf den aufgenommenen Testfahrten – beispielsweise Autos oder Fußgänger – automatisch klassifiziert, ohne dass ein Mensch Hand anlegen müsste.

Continental fährt aktuell mit seiner Flotte etwa 15.000 Kilometer pro Tag – und das erzeugt rund 100 Terabyte an Daten. Eine der Aufgaben des Nvidia-Computers ist, diesen Datenberg auszuwerten. Mit den Informationen werden auch die neuronalen Netze der KI-Systeme trainiert. Sie ahmen die Funktionsweise des menschlichen Gehirns nach und sollen dafür sorgen, dass ein Fahrzeug einen Spurwechsel oder einen Kreisverkehr fließend wie ein Mensch meistert.

„Der Supercomputer ist eine Investition in unsere Zukunft“, sagt Christian Schumacher, Leiter Program Management Systems in der Geschäftseinheit Fahrerassistenzsysteme bei Continental. „Das hochmoderne System reduziert die Zeit für das Training neuronaler Netze, da mindestens 14-mal mehr Experimente gleichzeitig durchgeführt werden können.“

Tesla arbeitet auch an eigenem Supercomputer

Mit dem eigenen Supercomputer hat Conti sogar Tesla etwas voraus. Der US-Elektroautobauer verbirgt hinter dem Projektnamen „Dojo“ eigene Pläne für einen Supercomputer, der mithilfe von neuronalen Netzen Bilder für das autonome Fahren auswerten soll. Erstmals erwähnt hatte Tesla-Chef Elon Musk Dojo im August vergangenen Jahres. Einen solchen Supercomputer hat Tesla bislang aber offenbar noch nicht im Einsatz.

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Conti verfolgt zudem einen anderen Ansatz als Tesla. Denn Musk zufolge würden sich Simulationen, wie sie der Zulieferer nutzen möchte, nicht für das Trainieren einer Roboterauto-KI eignen. Die Realität sei zu komplex, als dass sie ein Computer simulieren könnte, sagte Musk in einer Videobotschaft auf der KI-Konferenz World Artificial Intelligence Conference in China Anfang Juli.

Das dürfte unter anderem auch an der zur Verfügung stehenden Datenmenge liegen. Denn Teslas Autopilot ist bereits im Einsatz und sammelt fleißig Videomaterial, das an die Zentrale in Fremont gesendet wird. Insgesamt sind bereits fast fünf Milliarden Kilometer zusammengekommen. Die Daten stammen aus rund 50 Ländern.

Nur die Google-Tochter Waymo dürfte über ähnliche Datenmengen verfügen. Zulieferer wie Bosch oder Conti und auch die deutschen Autobauer hinken hier hinterher. Für Conti ergibt es daher Sinn, mithilfe von Verkehrssimulationen diesen Rückstand aufzuholen.

Für Nvidia ist die Zusammenarbeit mit Conti wiederum der nächste Schritt, seinen Einfluss in der Autoindustrie zu vergrößern. „Das Projekt wurde mit einem ehrgeizigen Zeitplan aufgestellt und innerhalb von weniger als einem Jahr realisiert“, sagt Schumacher. „Nach intensiven Tests und der Suche nach geeigneten Unternehmen haben wir uns für Nvidia entschieden, die viele der schnellsten Supercomputer der Welt ausrüsten.“

Neben Conti kooperieren so gut wie alle Zulieferer im Bereich des autonomen Fahrens mit dem Grafikkartenhersteller. Zeitweise hatte auch Tesla die Chips von Nvidia verwendet. Ende Juni hatte Nvidia zudem eine enge Kooperation mit Daimler verkündet. Ab 2024 sollen die Zentralrechner aller neuen Modelle des Autobauers mit Chips von Nvidia ausgestattet werden. Auf den Rechnern soll dann das Betriebssystem von Mercedes laufen. Außerdem steuern sie alle Konnektivitäts- und Autonomiefunktionen.

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