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Stellantis
Autohersteller PSA und Fiat Chrysler schließen Megafusion ab

Nach monatelangem Ringen dürfen die Autohersteller PSA und Fiat Chrysler fusionieren. Der neugebildete Hersteller Stellantis wird zum weltweit viertgrößten Autokonzern.

16.01.2021| Update: 16.01.2021 - 12:26 Uhr

Fiat und Peugeot © AFP

Paris, Rom Der französische Peugeot-Hersteller PSA und Fiat Chrysler (FCA) haben ihre Megafusion zum weltweit viertgrößten Autokonzern abgeschlossen. Das bestätigten die beiden Unternehmen am Samstag in einer gemeinsamen Erklärung.

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Der neugebildete Hersteller Stellantis führt 14 Automarken wie Opel, Peugeot, Citroën, Jeep, Maserati oder Alfa Romeo. Beschäftigt werden rund 400.000 Menschen.

PSA und FCA rechnen mit jährlichen Einspareffekten infolge von Synergien in Höhe von fünf Milliarden Euro. Dabei wollen sie kein einziges der 120 Werke schließen. Demgegenüber stehen einmalige Kosten im Zuge der Fusion von rund vier Milliarden Euro.

Der Zusammenschluss soll vor allem die sogenannten geografischen Klumpenrisiken der beiden Konzerne beseitigen. PSA leidet aktuell darunter, weder in China noch in den USA wirklich präsent zu sein.

Die Franzosen verkaufen mehr als drei Viertel ihrer Fahrzeuge in Europa. FCA ist wiederum enorm vom US-Markt abhängig, erzielt dort zwei Drittel seines Umsatzes. Gemeinsam sind die beiden Konzerne sowohl in Europa als auch in Nordamerika stark aufgestellt.

Die Synergie-Effekte wird der PSA-Chef Tavares wohl vor allem versuchen, über eine massive Reduktion von Fahrzeugplattformen zu heben. Von den derzeit 13 unterschiedlichen Architekturen, auf denen die Kleinwagen, Limousinen, SUVs und Jeeps von PSA und FCA gebaut werden, dürften mittelfristig zwei bis maximal vier übrig bleiben.

Überkapazitäten in Europa

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Rund 40 Prozent der Synergieeffekte entfielen auf Plattformen und Motoren, sagte Fiat-CEO Mike Manley auf der digitalen Hauptversammlung. 35 Prozent würden durch Einsparungen möglich, sieben Prozent durch Optimierungen im Vertriebsnetz.

Gleichzeitig rechnen Experten mit einem personellen Kahlschlag, denn gerade in Europa sind die mehr als drei Dutzend Fabriken der Konzerne seit Jahren chronisch unterausgelastet. Die Coronakrise hat die Lage tendenziell noch verschärft. Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Center of Automotive Research (CAR), schätzt, dass Stellantis in Europa im Schnitt Überkapazitäten in der Produktion von „25 bis 30 Prozent“ ausweisen wird.

Insbesondere die deutsche Traditionsmarke Opel könnte zum großen Verlierer der Fusion werden. Es dürften die Jobs von gut einem Drittel der 36.000 Ingenieure, die PSA und FCA in den Verbund einbringen, obsolet werden. Und in Rüsselsheim steht mit dem ITEZ das größte Entwicklungszentrum des neuen Konzerns. Opel könnte beispielsweise die Entwicklungskompetenz für leichte Nutzfahrzeuge an Fiat verlieren, verfügen die Italiener doch hier über mehr Know-how.

Die Aktie von Stellantis soll von Montag an in Mailand und Paris gehandelt werden.

dpa, fhu, ku, wer

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