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Importe
Studie: Deutschland nicht nur bei Gas von Rohstoffgigant Russland abhängig

Eine neue Studie zeigt das ganze Ausmaß des Dilemmas: Die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von Russland ist weit größer als lediglich in Energiefragen.

03.04.2022

Greenpeace protestiert bei der Rosneft-Tochter PCK © dpa

Berlin Russland ist nicht nur ein wesentlicher Gas-Exporteur für Deutschland, sondern liefert auch wichtige Rohstoffe für die Industrie. Deutschland und der Weltmarkt sind vor allem bei Nickel, Palladium und Chrom abhängig von russischen Exporten, wie aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervorgeht, die der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag vorlag. Dies seien Rohstoffe, die zum Teil schwierig zu ersetzen seien.

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Daher sind neue Handelsbeziehungen zu alternativen Exportnationen für diese Rohstoffe essenziell“, erklärte das arbeitgebernahe Institut aus Köln. Russland sei ein Rohstoffgigant. Darum sei es wichtig, Freihandelsabkommen wie TTIP und CETA mit anderen rohstoffreichen und möglichst stabilen Demokratien wie den USA, Kanada und Südafrika weiter voranzutreiben.

Es zeige sich analog zu der Lieferkettenproblematik, dass es für eine stabile Versorgungssicherheit wichtig sei, sich bei Rohstoffen breiter aufzustellen. Zu prüfen ist laut IW auch, „welche nationalen und europaweiten Kapazitäten für einen Abbau und die Weiterverarbeitung essenzieller Rohstoffe möglich sind“. Eine dritte Option umfasse das Recycling als Quelle von Sekundärrohstoffen und unterstreiche die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft in Deutschland und Europa.

Seit Russlands Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar versucht die Bundesregierung die Weichen zu stellen, dass Deutschland künftig weniger abhängig ist von russischem Öl und Gas. Auf den ersten Blick erscheint ein Aussetzen der Handelsbeziehungen mit Russland für Deutschland verkraftbar, schreiben die IW-Fachleute.

Welche Rohstoffe noch alle aus Russland kommen

Denn Deutschland bezog im Vor-Corona-Jahr 2019 nur zwei Prozent seiner Importe aus Russland, dabei entfielen insgesamt sieben Prozent auf Rohstoffe. Allerdings stammten 40 Prozent aller Nickelimporte aus Russland. Von dort kommen auch über zehn Prozent aller weltweiten Nickelexporte.

Deutschland bezieht zudem gut 25 Prozent seiner Palladium-Importe aus Russland, das als Exportweltmeister dieses etwa für die Autobranche so wichtigen Rohstoffs gilt. „Palladium wird vor allem beim Bau von Autokatalysatoren, in der chemischen Industrie und in der Elektrotechnik verwendet“.

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Der Rohstoff sei ein wichtiges Vorprodukt bei führenden deutschen Industrien, heißt es in der Studie. Bei Chrom kommen die russischen Importe auf über 20 Prozent aller deutschen Einfuhren, bei Kadmium auf fast 14 Prozent. „Der Blick auf die Handelsstatistiken macht deutlich, dass nicht nur Deutschland, sondern auch der Weltmarkt im Hinblick auf Rohstoffe von Russland abhängig ist.“

rtr

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