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Autokonzern
Volkswagen will Solar- und Windkraftwerke bauen – Kooperation mit RWE

Der Autobauer VW will zum grünen Konzern werden. Dazu gehört künftig auch der Bau von Solar- und Windkraftanlagen für Millionen von Elektroautos.

29.04.2021 | von Stefan Menzel

Windräder gehören zur elektrischen Zukunft von Volkswagen © dpa

Düsseldorf Der Weg hin zur Elektromobilität sorgt für die nächste Veränderung bei Volkswagen: Der Wolfsburger Konzern nimmt eigenes Geld in die Hand, um damit den Bau von Solar- und Windparks zu fördern. „Als erster Automobilhersteller fördert Volkswagen im industriellen Maßstab Investitionen in die Erzeugung erneuerbarer Energien“, kündigte am Donnerstag Ralf Brandstätter an, Vorstandsvorsitzender der Pkw-Marke Volkswagen.

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Volkswagen will bis zum Jahr 2025 insgesamt 40 Millionen Euro in den Bau neuer Solar- und Windparks in Europa investieren. Der Autokonzern wird dabei in aller Regel mit Energiekonzernen kooperieren, den Betreibern solcher Solar- und Windkraftwerke.

Was die VW-Elektroautos künftig an Strom verbrauchen und „was nicht bereits durch Kunden grün geladen wird, soll durch Förderung des Ausbaus von europäischen Wind- und Solarkraftwerken aufgefüllt werden“, sagte VW-Markenchef Brandstätter.

Der Autohersteller wolle damit einen Beitrag leisten, den zusätzlichen Bedarf an erneuerbarer Energie zu decken, der durch Millionen neuer Elektroautos entstehen wird. In der Zeit von 2021 bis 2025 sollen alle von Volkswagen geförderten Projekte pro Jahr insgesamt etwa sieben Terawattstunden an grünem, umweltfreundlichem Strom erzeugen. Das würde ungefähr der Kapazität von gut 300 neuen Windrädern entsprechen.

Damit kann der jährliche Strombedarf von mehr als 600.000 Haushalten gedeckt werden. Oder anders gerechnet: Gut zwei Millionen E-Autos aus der Mittelklasse können mit dieser Strommenge ein ganzes Jahr lang einmal in der Woche vollgeladen werden.

VW kooperiert mit RWE

Brandstätter kündigte zudem an, dass sein Unternehmen beim Bau der neuen Solar- und Windparks regional agieren wolle. „Wir konzentrieren uns darauf, die Ressourcen dort in Europa aufzubauen, wo sie auch verbraucht werden“, betonte er. Volkswagen werde vor allem dort Projekte fördern, wo VW auch viele Elektroautos verkaufe.

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Die Verträge für die ersten Förderprojekte sind nach Angaben von Volkswagen bereits abgeschlossen. Kooperationspartner in Deutschland ist der Essener Energiekonzern RWE. Volkswagen unterstützt den Aufbau einer Solaranlage mit einer Gesamtkapazität von 170 Millionen Kilowattstunden pro Jahr.

Das Kraftwerk entsteht bis Ende dieses Jahres im mecklenburgischen Tramm-Göthen und wird vollständig ohne staatliche Subventionen gebaut. Mit knapp 420.000 Solar-Modulen ist die südöstlich von Schwerin gelegene Anlage einer der größten unabhängigen Solarprojekte in Deutschland. Der dort künftig produzierte Strom würde für 50.000 Haushalte reichen. Größer ist nur das Mega-Projekt des Energiekonzerns EnBW im Osten des Landes.  

Die Förderung von Solar- und Windkraftwerken ist Teil der Konzernstrategie von Volkswagen, mit der sich der Autohersteller bis zum Jahr 2050 zum komplett klimaneutralen Unternehmen wandeln und überhaupt kein Kohlendioxid mehr in die Atmosphäre abgeben will. Als Zwischenziel will allein die Marke VW die CO2-Emissionen ihrer Fahrzeuge bis zum Jahr 2030 in Europa um durchschnittlich 40 Prozent senken (Basisjahr: 2018). Jeder verkaufte VW soll etwa 17 Tonnen Kohlendioxid weniger emittieren.

„Volkswagen steht für nachhaltige E-Mobilität für alle. Wir stellen die Umwelt konsequent in den Mittelpunkt unseres Handelns“, ergänzte der VW-Markenchef. Der Verkaufsstart der ersten Elektromodelle sei nur ein Anfang gewesen. Volkswagen verstehe Dekarbonisierung, also den Weg zur CO2-Neutralität, als eine ganzheitliche Aufgabe: von der Herstellung des Autos über dessen Nutzung bis hin zum Recycling.

Bis 2030 jährlich mehr als eine Million E-Neuwagen

Inzwischen beziehen alle europäischen Fahrzeugwerke der Marke Volkswagen ihren Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien. Vorreiter war die E-Auto-Fabrik im sächsischen Zwickau, in der die elektrische ID-Familie vom Band läuft. Von 2030 an sollen weltweit alle Werke außerhalb Chinas regenerativ erzeugten Strom beziehen und damit ihre Produktion betreiben.

Auch die Zusammenarbeit mit den Zulieferern soll immer stärker dem Ziel der Klimaneutralität untergeordnet werden. Deshalb will Volkswagen künftig in der Lieferkette starke CO2-Treiber identifizieren und reduzieren. Als Vorbild dient die Batteriezellfertigung der ersten ID-Modelle, die schon heute vollständig mit Grünstrom abläuft und die die CO2-Bilanz wesentlich verbessert hat.

Über das Batterie-Recycling, mit dem in Zukunft mehr als 90 Prozent der Rohstoffe wiederverwertet werden könnten, sollen weitere CO2-Einsparungen erreicht werden. Das Ziel ist ein geschlossener Kreislauf für die Batterie und ihrer Rohstoffe. In Salzgitter betreibt Volkswagen bereits eine erste Recyclinganlage.

Im Zentrum der VW-Strategie steht der beschleunigte Hochlauf der E-Offensive bei den Autos. Ziel ist die vollständige Elektrifizierung der Neuwagenflotte. Bis 2030 sollen mindestens 70 Prozent des Volkswagen-Absatzes in Europa reine E-Autos sein. Das wären jährlich mehr als eine Million Fahrzeuge. In Nordamerika und China soll der E-Auto-Anteil mindestens 50 Prozent betragen. Dazu bringt Volkswagen mindestens ein neues E-Auto pro Jahr auf den Markt.

Unter Markt- und Branchenbeobachtern findet Volkswagen mit seinem Kurs immer mehr Anhänger. „Spätestens 2025 wird VW der weltweit größte Hersteller von Elektrofahrzeugen sein“, glaubt Patrick Hummel von der Schweizer Großbank UBS. Mit seinem Modellfeuerwerk bei Elektromodellen habe der Wolfsburger Konzern gute Aussichten, den US-Konkurrenten Tesla dauerhaft zu überrunden.

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