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49-Euro-Ticket
Fragen und Antworten zum Deutschlandticket – was bisher bekannt ist

Der Nachfolger des Neun-Euro-Tickets steht fest: Bund und Länder haben sich auf ein Deutschlandticket geeinigt. Was bis jetzt über das 49-Euro-Ticket bekannt ist.

10.11.2022 | von Tobias Gürtler

Das Deutschlandticket – eine Chance für Pendler? © dpa

Düsseldorf Für einen Monatspreis von neun Euro war es möglich, im Juni, Juli und August deutschlandweit Bus und Bahn zu fahren. Es war die bislang größte Rabattaktion in der Geschichte des deutschen Nahverkehrs – und bei den Kunden ein voller Erfolg. Insgesamt seien 52 Millionen Exemplare des Neun-Euro-Tickets verkauft worden, teilte der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) Ende August mit.

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Jetzt steht fest: Es wird einen dauerhaften Nachfolger geben – der aber mehr als das Fünffache des Erfolgstickets vom Sommer 2022 kosten wird: 49 Euro pro Monat sollen Kunden für das neue bundesweite Nahverkehrsticket bezahlen. In der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch einigten sich Bund und Länder auf ein „digitales, deutschlandweit gültiges Deutschlandticket“.

Mit dem Ticket soll der öffentliche Personennahverkehr attraktiver werden, insbesondere für Pendler. Das soll auch helfen, Klimaziele zu erreichen. „Noch nie war es für die Menschen in unserem Land so einfach, Bus und Bahn zu nutzen“, sagte Bundesverkehrsminister Volker Wissing.

Aber: Ab wann soll der neue günstige ÖPVN-Fahrschein gelten? Wer finanziert das 49-Euro-Ticket? Und was – abseits vom Preis – unterscheidet ihn vom Neun-Euro-Ticket? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Ab wann gibt es das 49-Euro-Ticket?

Das 49-Euro-Ticket soll mit dem 1. Januar 2023 eingeführt werden – so lautet die Zielsetzung des Bundesverkehrsministeriums und der Ministerpräsidentenkonferenz. „Das wäre ein idealer Zeitpunkt“, sagte Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP). Das Ticket solle „schnellstmöglich“ kommen.

Ob sich die Pläne für das neue Ticket wirklich so schnell umsetzen lassen, ist aber fraglich. Die Landesparlamente müssen die notwendigen Beschlüsse herbeiführen. Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Herrman (Grüne) sagte im Interview mit der Süddeutschen Zeitung, dass er einen „Start im März oder April“ für „eher realistisch“ halte.

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Wo gibt es das 49-Euro-Ticket zu kaufen?

Das 49-Euro-Ticket soll digital via App, aber auch als Chipkarte zu kaufen sein. „Digital heißt, dass das Ticket sowohl fürs Handy als auch als Chipkarte verfügbar sein wird“, twitterte das Bundesverkehrsministerium dazu am Mittwoch. Ob es auch im Papierformat an Automaten zur Verfügung stehen wird, ist offen. Die Entscheidung treffen die Länder und Verkehrsverbünde. Es ist aber anzunehmen, dass die Verkaufsstellen ähnlich sein werden wie noch beim Neun-Euro-Ticket.

Dieses war im Juni, Juli und August wahlweise online auf der Webseite der Deutschen Bahn, in der App der Deutschen Bahn, in den Apps und Onlineplattformen der regionalen Verkehrsbetriebe oder als physisches Ticket an den Verkaufsstationen der Deutschen Bahn und der regionalen Verkehrsbetriebe erhältlich.

Wie sieht der Geltungsbereich des 49-Euro-Tickets aus?

Wie das Neun-Euro-Ticket im vergangenen Sommer soll auch das 49-Euro-Ticket Bus- und Bahnfahren in ganz Deutschland ermöglichen. Das gilt allerdings ausschließlich für den Nahverkehr. Fernverkehrszüge wie ICE, IC oder EC werden nicht im Ticket enthalten sein.

Kostet das 49-Euro-Ticket für alle das Gleiche?

Das 49-Euro-Ticket wird ein einheitliches Ticket für alle Kunden sein. Vergünstigungen etwa für Studierende, Auszubildende und sonstige Personen mit geringerem Einkommen tauchen in den bisher bekannten Plänen nicht auf. In den Ländern könnte es jedoch gestaffelte Preise geben.

So hat etwa Berlins Verkehrssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) bereits angekündigt, ein differenziertes Modell für die Bundeshauptstadt einzuführen. Sie wolle „ein Konzept erarbeiten, wie wir in Berlin das 49-Euro-Ticket nutzen, um sozial gestaffelte Angebote einzuführen, die dann auch bundesweit gelten“, sagte Jarasch. So werde aus dem Nahverkehrsticket „für alle ein echtes ökosoziales Produkt“. Aktuell gibt es in Berlin seit Oktober ein 29-Euro-Ticket bis mindestens Ende März 2023 und ab Jahreswechsel ein Sozialticket für neun Euro.

Neun-Euro-Ticket © dpa


Was unterscheidet das 49-Euro-Ticket vom Neun-Euro-Ticket – neben dem Preis?

Ein entscheidender Unterschied zum Neun-Euro-Ticket ist der, dass es sich beim 49-Euro-Ticket nicht um ein monatlich zu kaufendes Einzelticket handeln wird. Stattdessen soll das Ticket als Abonnement verfügbar sein. Das 49-Euro-Abo soll jedoch monatlich kündbar sein.

Wer finanziert das 49-Euro-Ticket?

Das 49-Euro-Ticket wird von Bund und Ländern gemeinsam finanziert, so hat es die Ministerpräsidentenkonferenz diesen Mittwoch beschlossen. Im langen Ringen um die Finanzierungsfrage kam es damit schließlich zu einer Einigung: Das neue Ticket kostet drei Milliarden Euro. Bund und Länder finanzieren das Ticket jeweils zur Hälfte.

Zusätzlich hat der Bund zugesagt, die Regionalisierungsmittel zu erhöhen, mit denen die Länder Bahn- und Busverbindungen bei den Verkehrsunternehmen bestellen. Konkret will der Bund eine Milliarde Euro mehr im Jahr für den Nahverkehr bereitstellen. Die Regionalisierungsmittel sollen jährlich um drei statt wie bisher um 1,8 Prozent steigen und so die Inflation abfedern.

Die Länder hatten zuvor die Sorge, dass sie ohne zusätzliches Geld vom Bund für den ÖPNV-Ausbau Verkehrsangebote einstellen müssten. „Es bleibt dabei: Günstige Tickets machen nur Sinn mit einem stabilen Angebot“, sagte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU). „In diesen Krisenzeiten brauchen wir Geld vom Bund, damit auch morgen noch Busse und Bahnen fahren und nicht wegen der explodierenden Energiepreise abbestellt werden müssen.“

Protestaktion vor dem Veranstaltungsort der Verkehrsministerkonferenz am Donnerstag © dpa


Warum kritisieren Verbraucherverbände das 49-Euro-Ticket?

Die Verbraucherzentralen fordern ein größeres Augenmerk auf soziale Aspekte. „Der öffentliche Nahverkehr muss für alle erschwinglich sein, unabhängig vom Einkommen“, sagte die Leiterin für Verbraucherpolitik beim Bundesverband (vzbv), Jutta Gurkmann der Nachrichtenagentur dpa. Insbesondere Empfängern von Transferleistungen, aber auch Geringverdienenden ohne staatliche Leistungen helfe ein 49-Euro-Ticket wenig.

Auch aus Sicht des Fahrgastverbands Pro Bahn ist ein 49-Euro-Ticket für einkommensschwache Menschen nach wie vor zu teuer. „Das Prinzip Gießkanne wird damit nicht durchbrochen“, sagte der Pro-Bahn-Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann der dpa. „Wir bräuchten für diese Menschen ein günstigeres Angebot.“

Wie sahen die alternative Vorschläge aus?

Um einen wirklichen Anreiz für einen Umstieg auf die öffentlichen Verkehrsmittel zu schaffen, hatte der Bundesverband der Verbraucherzentralen ein 29-Euro-Ticket gefordert, das nicht nur im Abo, sondern auch monatlich als Einzelticket gekauft werden kann.

Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatte sich für ein 29-Euro-Ticket im Nahverkehr starkgemacht. Dieses hätte dem Staat laut einer Untersuchung der NGO nicht mehr gekostet als die 49-Euro-Variante. Für die Kalkulation seien unter anderem fünf Umfragen zur Kaufbereitschaft unterschiedlicher Ticketvarianten ausgewertet worden.

Zum 49-Euro-Ticket sind andere Fragen ebenfalls offen. So fordert der Fahrradclub ADFC, dass Räder in Nahverkehrszügen grundsätzlich kostenlos mitgenommen werden dürfen.

Mit Agenturmaterial.

Erstpublikation: 17.10.2022, 14:10 Uhr (zuletzt aktualisiert: 3.11.22, 08:56 Uhr).

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