ABO
Anzeige

US-Konzern
Wenn du das kaufst, bist du Kunde bei Johnson & Johnson

Johnson & Johnson verdient viel Geld mit Marken wie Bebe, o.b. und Penaten. Hier erfährst du, was noch zum Konzern gehört und welche Skandale es schon gab.

16.04.2019 | von Lena Jesberg

US-Großkonzern

Dieser Artikel ist am 16. April 2019 bei Orange - dem jungen Portal des Handelsblatts - erschienen.

Anzeige

Man kann sie weder essen, noch anziehen und selbst spielen ist damit eher schwierig. Doch wenngleich der Genussfaktor bei den Produkten des Unternehmens Johnson & Johnson gegen null geht, wollen sie viele von uns im Alltag nicht missen. Denn mal ehrlich: Ohne Tampons, Abschminktücher, Handcreme, Seife und Kopfschmerztabletten wären wir ganz schön aufgeschmissen.

An diesem Dienstag hat Johnson & Johnson neue Geschäftszahlen vorgelegt. Von Januar bis März 2019 nahm der Konzern rund 20 Milliarden Dollar (17,7 Milliarden Euro) ein – etwa genau so viel wie im selben Zeitraum des Vorjahres und mehr als Experten erwartet hatten. Läuft also ganz ordentlich bei den Amerikanern. Aber was macht das Unternehmen aus den USA eigentlich alles, das uns im Alltag so häufig begegnet? Um das zu verstehen, starten wir mit einer Zeitreise.

Wie entstand der Konzern Johnson & Johnson?

Wir schreiben das Jahr 1861. Während seine älteren Brüder im amerikanischen Bürgerkrieg ihr Leben riskieren, beginnt der junge Robert Wood Johnson eine Ausbildung in der Apotheke seines Onkels. Viele der rund 720.000 Menschen, die während des Krieges ihr Leben lassen, sterben an Krankheiten. Um zu verhindern, dass Infektionen sich im Körper ausbreiten, amputieren die Ärzte ihren Patienten Arme und Beine.

Und das auf eine Art, die dem jungen Apotheker-Lehrling Robert Schauer über den Rücken jagt. Sie machen ihre Operationen in weniger als drei Minuten, waschen sich weder die Hände, noch reinigen sie die Werkzeuge zwischen den Patienten richtig.

Erst 1876 stellt ein gewisser Dr. Joseph Lister die sogenannte antiseptische Operation vor. Zwischen Tausenden Ärzten sitzt im Publikum auch Robert Wood Johnson, der sein Geld inzwischen mit dem Verkauf medizinischer Pflaster verdient.

Anzeige

Für ihn ist Listers Idee brillant und zündet in seinem Kopf ein Feuerwerk an Ideen. Zehn Jahre später schließlich gründet er mit seinen jüngeren Brüdern Edward Mead und James Wood „Johnson & Johnson“ – das angeblich erste Unternehmen, das steriles Operationsmaterial in Masse produziert.

Die erste Fabrik öffnet noch im selben Jahr mit nur 14 Angestellten, darunter acht Frauen und sechs Männer, in New Brunswick in der Nähe von New York. Dort hat der Konzern noch heute seinen Hauptsitz. In den 1920er Jahren erweitert das Unternehmen sein Geschäft auf Kanada, Europa und Australien.

Wo hat Johnson & Johnson Standorte in Deutschland?

1973 gründet Johnson & Johnson auch einen Standort in Deutschland. Damals übernehmen die Amerikaner eine Firma mit dem Namen Carl Hahn GmbH, die hinter der bekannten Tampon-Marke o.b. steckt.

Neben dem o.b.-Werk in Wuppertal, das weltweit das größte Tampon-Werk ist, hat Johnson & Johnson hierzulande seine Zentralen in Neuss und Norderstedt bei Hamburg sowie acht kleinere Standorte in Berlin, Dülmen (NRW), München, Kirkel (Saarland), Neckargemünd, Philippsburg und Tuttlingen (Baden-Württemberg) sowie Umkirch bei Freiburg (Stand: 2018).

Wie viele Firmen gehören zu Johnson & Johnson?

Zählt man alle Firmen unter dem Namen Johnson & Johnson zusammen, kommt man auf rund 275 Stück in 60 Ländern. In all den großen und kleinen Gesellschaften arbeiten rund 135.100 Mitarbeiter. 4000 davon sind es nach Angaben des Konzerns allein in Deutschland. Im Vergleich zum Vorjahr schaffte das Unternehmen 2018 weltweit rund 1100 neue Stellen.

Johnson & Johnson verkauft seine Produkte in 175 Ländern. Damit bezeichnet sich der Konzern als eines der größten Gesundheitsunternehmen weltweit.

Welche Produkte verkauft Johnson & Johnson?

Die Nachfahren der Johnson-Brüder haben schnell verstanden, dass es außer OP-Besteck noch mehr Gesundheits- und Medizinprodukte gibt, mit denen sich Geld verdienen lässt. Heute teilt der US-Konzern sein Geschäft in drei Bereiche:

  • Konsumgüter
  • Arzneimittel
  • Medizintechnik

In Deutschland stellt Johnson & Johnson vor allem Sachen her, die du im Supermarkt, in der Drogerie und in der Apotheke kaufen kannst. Dazu zählen Cremes, Tampons, Binden, Mundspülungen, Schmerz- und Magentabletten, Nasenspray sowie Kontaktlinsen.

Welche Marken gehören zu Johnson & Johnson?

Die Produkte findest du im Regal bei Rewe, dm und Rossmann oder in der Apotheke unter folgenden Marken:

  • Bebe, Piz Buin, Neutrogena, Penaten (Cremes)
  • o.b. (Tampons)
  • Carefree (Binden)
  • Listerine (Mundspülungen)
  • Dolormin (Schmerztabletten)
  • Imodium (Durchfalltabletten)
  • Olynth (Nasenspray)
  • Regaine (Haarwuchsmittel)
  • Acuvue (Kontaktlinsen)
  • Nicorette (Mittel zur Raucherentwöhnung)

Neben diesem bunten Warenkorb, den jeder kaufen kann, vertreibt Johnson & Johnson am Standort Norderstedt unter dem Namen „Ethicon“ das, womit alles begann: medizinische Produkte für Allgemeinmediziner, Gynäkologen und Chirurgen. Die sollen zum Beispiel dabei helfen, eine Operation so ungefährlich wie möglich zu machen.

Wichtig ist auch die Tochterfirma „De Puy“, die als einer der Weltmarktführer im Bereich der Orthopädie und Neurochirurgie gilt. Sie stellt unter anderem Gelenkprothesen her.

Kunden von Johnson & Johnson sind außerdem viele Diabetiker, die ihren Blutzuckerspiegel mit Geräten der Marke „Life Scan“ messen. Anders als in den USA findet man den Namen Johnson & Johnson hierzulande nur sehr klein auf den verschiedenen Verpackungen der Produkte. In Amerika gibt es dagegen zahlreiche Artikel, auf denen dick und fett „Johnson’s“ draufsteht.

Wie hoch ist der Umsatz von Johnson & Johnson 2018?

Im Jahr 2018 hat der US-Konzern laut Geschäftsbericht rund 81,6 Milliarden US-Dollar (72,2 Milliarden Euro) eingenommen. Damit zählt Johnson & Johnson nach Angaben der Fortune Global 500-Liste zu den 100 größten Unternehmen der Welt nach Umsatz. Zum Vergleich: Der Düsseldorfer Konsumgüterhersteller Henkel hat 2018 nach eigenen Angaben knapp 20 Milliarden Euro eingenommen.

Mehr als die Hälfte des Umsatzes erzielt Johnson & Johnson in den USA. Am meisten Geld (knapp 50 Prozent des Gesamtumsatzes) nimmt das Unternehmen mit Arzneimitteln ein. Konsumgüter machen weniger als ein Fünftel aus.

Johnson & Johnson: Kritik von Umweltschützern

Auf seiner deutschen Webseite lobt sich Johnson & Johnson für sein ökologisches Verantwortungsbewusstsein. Dabei steckt in einigen Produkten Mikroplastik, das als umweltschädlich gilt, weil es über das Abwasser ins Meer gelangen kann.

Dazu zählen laut des Einkaufsratgebers der Umweltorganisation BUND Peelings und Pflegeprodukte der Marken Bebe, Neutrogena und Penaten.
Die winzig kleinen Plastikteile sorgen dafür, dass deine Haut beim Gesichtwaschen reiner wird. Sie sind aber so klein, dass sie in der Kläranlage nicht vollständig aus dem Abwasser gefiltert werden. Im Meer wirken sie wie ein Magnet für Umweltgifte. Nehmen Fische die Gifte auf, können diese eines Tages auf unseren Tellern landen.

Aus diesem Grund setzen sich zahlreiche Umweltaktivisten für ein Verbot von Mikroplastik ein. Für sie ist Johnson & Johnson ein Feindbild.

Johnson & Johnson: Skandale um Gelenkprothesen und Asbest

Das Unternehmen geriet auch schon mit Skandalen in die Schlagzeilen. 2013 musste zum Beispiel die Tochterfirma De Puy einen großen Fehler eingestehen. Sie hatte mangelhafte Hüftgelenkprothesen vertrieben. Das Unternehmen musste daraufhin alle betroffenen Patienten dazu aufrufen, zum Arzt zu gehen.
Weitaus größer war der Skandal um mutmaßlich krebserregenden Babypuder, den Johnson & Johnson verkauft haben soll. 22 Frauen hatten gegen den Konzern geklagt, weil sie durch das Produkt an Eierstockkrebs erkrankt seien. Nach dem Urteil einer Geschworenenjury im US-Bundesstaat Missouri soll das Unternehmen den Frauen insgesamt 550 Millionen Dollar Entschädigung und außerdem eine Strafe von 4,14 Milliarden Dollar bezahlen.

Es zeigt sich also, dass du als Kunde immer kritisch hinterfragen solltest, was du in deinen Einkaufswagen packst. Johnson & Johnson-Gründer Robert Wood Johnson versprach in einem 1943 verfassten Credo:

„Allem voran steht unsere Verantwortung gegenüber den Ärzten, Krankenschwestern und Patienten, aber auch gegenüber Müttern, Vätern und all den Menschen, die unsere Produkte verwenden oder unsere Dienste in Anspruch nehmen.“

Man wünscht sich, dass alle Unternehmen einer solchen Mission folgen – und sie auch erfüllen.

Weiterlesen...

Anzeige
ICO/Audio-Play@1,5x stop „@1x