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Spielwaren
Familie Sieber schafft bei Märklin ein Umsatzplus

Nach vielen mageren Jahren wächst der Modellbahnhersteller wieder. Die Eigentümer sind trotzdem nicht zufrieden – und das liegt nicht am Geschäftsverlauf.

25.01.2019 | von Joachim Hofer

Märklin-Geschäftsführer Florian Sieber © dpa

Nürnberg Deutschlands bekannteste Modellbahnmarke ist wieder gefragt. „Innerhalb eines schwierigen Jahres in der Spielwarenbranche können wir ein leichtes Wachstum verbuchen“, sagte Florian Sieber, der geschäftsführende Gesellschafter von Märklin, am Donnerstagabend in Fürth. Im laufenden Geschäftsjahr, es endet am 31. März, werde der Umsatz um vier Millionen auf 112 Millionen Euro klettern.

Das Plus ist nicht selbstverständlich, jahrelang dümpelte das Geschäft des Mittelständlers aus Göppingen vor sich hin. Inzwischen scheint Sieber aber wieder den Geschmack der Kunden zu treffen. „Wir sind über alle Kategorien hinweg gewachsen“, unterstrich der Unternehmer.

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Das heißt: Die Stammkundschaft griff beherzt zu, also die Sammler; ebenso interessierten sich aber wieder Eltern und Großeltern für die Lokomotiven und Waggons und schenkten sie den Kindern.

Es hätte allerdings noch viel besser laufen können, ärgert sich Sieber. „Wir konnten nicht alle Aufträge umsetzen“, betonte er. Es habe vor allem im Werk im ungarischen Györ an Personal gefehlt. In der Stadt betreibt auch Audi eine große Fabrik, rundherum haben sich viele Autozulieferer angesiedelt. Daher tut sich der Mittelständler schwer, Leute anzuheuern. Sieber: „Wir kämpfen darum, den Stand an Arbeitnehmern zu halten.“

Themen des Artikels

Gemeinsam mit Vater Michael hat Florian Sieber die angeschlagene Modelleisenbahnmarke vor sechs Jahren übernommen. Jahrelang sanierten die Franken den zeitweise hoch defizitären Hersteller, während die Umsätze stagnierten. Märklin verschwand immer mehr aus den Kinderzimmern.

Jetzt, da die Modelle endlich wieder gefragt sind, kommen sie mit der Produktion nicht hinterher. Györ ist neben dem Stammwerk Göppingen der zweite Standort der Marke.

Dazu kommt: Die von der Regierung geförderten hohen Lohnsteigerungen in Ungarn machen Märklin zu schaffen. Die großen Konzerne könnten sich diese Mehrausgaben über Steuererleichterungen wieder hereinholen, schimpfte Michael Sieber. Einem Mittelständler wie Märklin sei das verwehrt. „Wir haben nicht die Lobby in Budapest oder Berlin.“ Insgesamt beschäftigt Märklin 1200 Mitarbeiter.

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Die letzten Jahre war es Märklin nicht recht gelungen, den Nachwuchs wieder für die Modelleisenbahn zu begeistern. Die großen Zeiten der legendären Sammlermarke schienen vorüber. Doch Florian und Michael Sieber gaben sich stets optimistisch.

Schließlich hat die Familie Sieber in den vergangenen 30 Jahren mit ihrer Simba-Dickie-Gruppe viele tief gesunkene Spielwarenmarken wieder zum Strahlen gebracht – die Modellautolabels Schuco und Majorette zum Beispiel, den Brettspielspezialisten Noris oder auch den Bobbycar-Produzenten Big.

Sammler wurden reaktiviert

Vater und Sohn Sieber haben Märklin in den vergangenen Jahren modernisiert und, wo es ging, automatisiert. Doch die meist mehrere Hundert Euro teuren Lokomotiven werden nach wie vor fast ausschließlich in Handarbeit hergestellt.

Die Siebers ersannen Marketingkampagnen wie die „Abwrackprämie für Modellbahnen“: Wer seine alten Gleise beim Händler ablieferte, der erhielt dafür neues Material. So sollten Sammler reaktiviert werden, die sich seit Jahren nicht mehr mit den Miniaturwelten beschäftigt hatten. Zudem entwickelten sie die Jugendlinie „Start-up“.

Im vergangenen Jahr kam eine neue Modellreihe für Kinder zum Kinofilm „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ besonders gut bei den Kunden an. Damit stabilisierten die Siebers das Geschäft von Märklin. „Unsere Ertrags- und Finanzsituation ist weiterhin gut und solide“, so Florian Sieber.

In der Spielwarenbranche halten jedoch viele das Engagement bei Märklin für sinnlos. Nur noch etwa 300 Händler in ganz Deutschland führen überhaupt Modelleisenbahnen. „Wir haben uns schon vor 20 Jahren davon verabschiedet“, sagt etwa Tobias Schonebeck. Der Kaufmann führt das Traditionshaus Schäffer in Osnabrück. Der rund 120 Jahre alte Betrieb gilt deutschlandweit als Vorzeigehändler, vor Ort wie im Internet.

Der für Modelleisenbahnen nötige Service sei zu aufwendig, meint Schonebeck. Ähnlich denken viele Fachhändler. Das ist aber noch nicht alles: Die Geschäftsinhaber haben auch Angst, auf der Ware sitzen zu bleiben. Lego-Packungen und Playmobil-Sets verkaufen sie von morgens bis abends. Manche Märklin-Lok dagegen liegt monatelang in der Vitrine.

Vater und Sohn Sieber hingegen glauben, dass es auch 2019 aufwärts geht. „Wir planen mit einem leichten Wachstum“, sagte Florian Sieber. Die Unternehmer investieren daher kräftig. Dieses Jahr sollen allein gut elf Millionen Euro in das „Märklineum“ fließen, eine neue Erlebniswelt im Hauptquartier in Göppingen.

Ende des Jahres wollen die Eigentümer die Ausstellung eröffnen, denn Märklin wird dieses Jahr 160 Jahre alt. Das werde aber nur klappen, wenn die Handwerker wie geplant anrücken, warnte Florian Sieber. Denen fehlt im Filstal nämlich auch das Personal angesichts der guten Baukonjunktur und der starken Konkurrenz durch den Autobauer Daimler und dessen Lieferanten.

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