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Sicherheitskontrolle am Flughafen
Wann Messer ins Gepäck dürfen

Die Erfahrungen unserer Leser zeigen viele Sicherheitsmängel an deutschen Flughäfen. Doch nicht alles, was nach Panne aussieht, ist auch eine. Unter welchen Bedingungen manche Gegenstände ins Flugzeug dürfen.

26.01.2015 | von Lisa Hegemann

Ende des Tarifstreits in Sicht © dpa

Düsseldorf Monatelang schlummerte ein Teppichmesser in seinem Rucksack – und fiel selbst bei einer Sicherheitskontrolle am Flughafen nicht auf. Diese Geschichte berichtet ein Handelsblatt-Leser im sozialen Netzwerk Facebook. Er sei damit durch die Flughäfen Berlin-Tegel, Köln-Bonn und sogar Sarajevo gekommen – ohne, dass es jemandem aufgefallen sei. Erst in Belgrad sei ein Sicherheitsmann auf ihn zugekommen, aber auch das erst nach der Kontrolle.

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Ein Einzelfall? Laut den Erfahrungen der Handelsblatt-Leser nicht. Nach den Kontrollpannen am Düsseldorfer und Frankfurter Flughafen Anfang November haben wir unsere Nutzer in den vergangenen Wochen auf unserer Webseite und in den sozialen Netzwerken aufgefordert, uns ihre Geschichten von Sicherheitsschleusen an deutschen Flughäfen zu erzählen.

Das (nicht repräsentative) Ergebnis: Viele sind mit Wasserflaschen, Taschenmessern oder Scheren im Handgepäck durch die Kontrollen gekommen. Auf den ersten Blick mag dies nach einer Panne des Sicherheitspersonals aussehen. Doch dieser Eindruck stimmt nicht in jedem Fall.

Themen des Artikels

Beispiel: Messer. Auf der Liste der verbotenen Gegenstände für das Handgepäck hat die Bundespolizei fein säuberlich aufgelistet, welche Objekte Fluggäste lieber zu Hause lassen. Dazu zählen „spitze oder scharfe Gegenstände, die schwere Verletzungen hervorrufen können“, wie die Gesetzeshüter auf ihrer Webseite schreiben.

Das sind die größten Flughäfen der Welt

Platz 10 – Jakarta

Jakarta (Indonesien, CGK)
Passagiere: 60,14 Millionen
Zuwachs: + 4,1 Prozent

Platz 9 – Dallas/Fort Worth

Dalls/Fort Worth (Texas, USA, DFW)
Passagiere: 60,47 Millionen
Zuwachs: + 3,2 Prozent

Platz 8 – Paris

Paris (Frankreich, CDG)
Passagiere: 62,05 Millionen
Zuwachs: + 0,7 Prozent

Platz 7 – Dubai

Dubai (Abu Dhabi, DXB)
Passagiere: 66,43 Millionen
Zuwachs: +15,2 Prozent

Platz 6 – Los Angeles

Los Angeles (Florida, USA, LAX)
Passagiere: 66,67 Millionen
Zuwachs: + 4,7 Prozent

Platz 5 – Chicago

Chicago (Illinois, USA, ORD)
Passagiere: 66,78 Millionen
Zuwachs: + 0,2 Prozent

Platz 4 – Tokio

Tokio (Japan, HND)
Passagiere: 68,91 Millionen
Zuwachs: + 3,2 Prozent

Platz 3 – London

London (Großbritannien, LHR)
Passagiere: 72,37 Millionen
Zuwachs: + 3,3 Prozent

Platz 2 – Peking

Peking (China, PEK)
Passagiere: 83,71 Millionen
Zuwachs: + 2,2 Prozent

Platz 1 – Atlanta

Atlanta (Georgia, USA, ATL)
Passagiere: 94,43 Millionen
Rückgang: - 1,1 Prozent

Quelle: Airports Council International (ACI), Zahlen für das Gesamtjahr 2013

Doch der Definition nach zählen dazu erst Messer mit einer Klingenlänge von mehr als sechs Zentimetern. Sprich: Ein Messer, das diese Länge nicht erreicht, darf offiziell im Handgepäck bleiben. Dieselbe Regelung gilt auch für Scheren – viele Nagelscheren würden also theoretisch nicht darunter fallen.

Allerdings verweist die Bundespolizei darauf, dass der Hinweis auf die Klingenläge „eine Interpretationshilfe“ sei. „Es können auch Messer mit Klingenlängen unter sechs Zentimeter verboten werden, wenn diese aufgrund ihrer Beschaffenheit dennoch dazu geeignet sind, schwere Verletzungen hervorzurufen“, so die Bundespolizei auf Anfrage. Dazu zählen alle Messer, die unter die „Verbotsvorschriften des Waffengesetzes fallen, beispielsweise Spring-, Einhand- und Fallmesser.

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Durfte unser Leser aus dem Beispiel vom Anfang sein Teppichmesser mitnehmen? Nein, denn das Teppichmesser wird in der Liste spitzer und scharfer Gegenstände sogar gesondert aufgeführt. Dasselbe gilt auch für Rasierklingen oder Kampfsportgeräte mit spitzer oder scharfer Kante. Zu letzterem Punkt würde beispielsweise der Degen eines Fechters zählen. In diesen Fällen rät die Bundespolizei den „Transport im aufgegebenen Gepäck“.

Was Leser durch die Gepäckkontrolle schleusen

Ähnlich komplizierte Regelungen gelten auch für Feuerzeuge. Ein Raucher darf zwar ein Feuerzeug mit ins Flugzeug nehmen, allerdings nur, wenn er es „am Körper“ trägt, also beispielsweise in der Hosentasche. Im Handgepäck und sogar im aufgegebenen Gepäck ist es nicht erlaubt. Benzin- und Sturmfeuerzeuge dürfen Passagiere überhaupt nicht mit ins Flugzeug nehmen. Dieselbe Regelung gilt auch für Streichhölzer. Das Luftfahrtbundesamt verweist darauf, dass allerdings nur entweder ein Feuerzeug oder eine Packung Streichhölzer mitgeführt werden darf – nicht beides gleichzeitig.

Das Amt ergänzt dazu, dass auch „Überallzündhölzer, Anzünder mit blauen Flammen oder Zigarrenanzünder“ nicht ins Handgepäck dürfen. Verboten sei auch die Mitnahme von Feuerzeugbenzin und Feuerzeug-Nachfüllpatronen.

Selbst manche Batterien stehen seit Jahresbeginn auf dem Index. So dürfen Passagiere keine Lithium-Metall-Batterien mehr mit sich führen. Sie sind zum Beispiel in Taschenrechnern, Kameras oder Uhren enthalten. Das Verbot gilt aber nur für solche Batterien, die weniger als 100 Wattstunden (Wh) oder mehr 160 Wh oder mehr als zwei Gramm Lithium enthalten. Ansonsten sind zwei Ersatzbatterien im Handgepäck kein Problem.

Diese Flughäfen verlieren an Boden

Frankfurt-Hahn

Passagiere 2014: 2,45 Millionen
Verlust: 8,3 Prozent

Quelle: Flughafenverband ADV, Flughäfen

Karlsruhe/Baden-Baden

Passagiere 2014: 983.451
Verlust: 7,2 Prozent

Memmingen

Passagiere 2014: 750.315
Verlust: 10,6 Prozent

Nürnberg

Passagiere 2014: 3,26 Millionen
Verlust: 1,6 Prozent

Paderborn

Passagiere 2014: 763.872
Verlust: 3,9 Prozent

Saarbrücken

Passagiere 2014: 398.128
Verlust: 1,8 Prozent

Weeze

Passagiere 2014: 1,81 Millionen
Verlust: 27,3 Prozent

Seit die britische Polizei 2006 Anschläge mit explosivem Sprengstoff vereitelt hat, der in Wasserflaschen mitgeführt werden sollte, dürfen Fluggäste in der Europäischen Union auch keine größeren Mengen Flüssigkeit mehr im Handgepäck verstauen. Ein Passagier darf höchstens zehn Fläschchen mit einer Menge von 100 Millilitern durch die Sicherheitsschleuse mitführen. Eine Wasserflasche dürfte die Kontrolle laut Reglement nicht überstehen – auch, wenn unsere Leser dort andere Erfahrungen gemacht haben.

Ausnahmen gibt es nur für Duty-Free-Produkte, also Wasserflaschen oder auch Parfüms, die erst nach der Sicherheitskontrolle gekauft wurden. Um dann die nächste Sicherheitskontrolle zu überstehen – etwa beim Umsteigen –, müssen sie aber besonders verpackt bleiben. Seit 2014 muss das Sicherheitspersonal allerdings auch solche Produkte sowie flüssige Medikamente und Spezialnahrung gesondert prüfen.

Vor jeder Reise sollten Fluggäste das Handgepäck deshalb gründlich untersuchen. Wenn jemand einen gefährlichen Gegenstand versehentlich im Handgepäck vergessen hat, kann die Bundespolizei verbieten, diese Objekte mit ins Flugzeug zu nehmen. Die Passagiere können sie dann aber zum Beispiel in die Check-In-Halle vor der Sicherheitskontrolle bringen. Dabei werde den Fluggästen „in der Regel ein Hinweis gegeben, ob der Gegenstand als Gepäck aufgegeben werden kann“, heißt es von der Bundespolizei. Die Entscheidung hänge dann von der Fluggesellschaft ab.

Es sei auch möglich, den Gegenstand Bekannten oder Verwandten anzuvertrauen, die außerhalb des Sicherheitsbereiches warten. Zudem könne man den Gegenstand am Flughafen deponieren oder eine Nach- oder Rücksendung per Post beantragen. Wenn diese Optionen nicht möglich seien, könne der Fluggast das Objekt des Anstoßes auch in den Müll werfen. Das Sicherheitspersonal darf die Gegenstände nur dann konfiszieren, „wenn der Besitz oder das Führen eines Messers eine Straftat oder Ordnungswidrigkeit darstellt“, heißt es von den Gesetzeshütern.

Wer die Kontrollstelle mit einem „verbotenen Gegenstand“ passiert, macht sich laut Luftsicherheitsgesetz jedoch strafbar. Das könne auch zur Anzeige gebracht werden, so die Bundespolizei.

Die gefährlichsten Flughäfen der Welt

Nur in Einzelfällen machen die Gesetzeshüter eine Ausnahme. Im Luftsicherheitsgesetz heißt es dazu, dass das Bundesinnenministerin „allgemein oder im Einzelfall Ausnahmen von [...] geregelten Fällen zulassen, soweit ein Bedürfnis besteht und die nach anderen Rechtsvorschriften erforderliche Erlaubnis zum Mitführen dieser Gegenstände vorliegt“. Die Erlaubnis könne aber mit einer Nebenbestimmung versehen werden. Als Beispiel nennt die Bundespolizei Beamte, die auf Streife auch am Flughafen Schusswaffen mit sich tragen dürfen.

Dass trotzdem immer mal wieder Getränke oder andere eigentlich verbotene Objekte die Kontrolle passieren, erklärt die Vereinigung Cockpit auch damit, dass es kaum möglich sei, alle Gegenstände zu entdecken.

Eine komplette Liste der gefährlichen Gegenstände finden Sie auf der Webseite der Bundespolizei. Weitere Informationen gibt es auch auf den Internetportalen der Flughäfen und Fluggesellschaften.

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