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Luftfahrt
Kein Abstand im Flugzeug: Passagiere von Iberia Express protestieren vor dem Abflug

Unklare Sicherheitsregeln in der Flugzeugbranche verunsichern die Passagiere – wie im Fall einer Iberia-Maschine. Am Mittwoch will die EU einheitliche Standards veröffentlichen.

12.05.2020 | von Sandra Louven

Iberia Express © dpa

Madrid Dieses Video ist in Spanien mehrere hunderttausend Mal geteilt worden: In einer nahezu ausgebuchten Maschine des spanischen Billigfliegers Iberia Express von Madrid nach Gran Canaria beschweren sich mehrere aufgebrachte Passagiere über den fehlenden Sicherheitsabstand in dem Flieger. Der Kapitän schreitet ein und informiert über Lautsprecher, dass die Airline alle Sicherheitsstandards erfülle. Wem das nicht ausreiche, der könne jetzt noch aussteigen.

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Die Szene zeigt: Während die Corona-Restriktionen gerade in vielen Ländern gelockert werden, ist die Unsicherheit in der Luftfahrtbranche groß. Einige Länder – darunter auch Spanien – schreiben vor, dass Sitze in der Mitte frei bleiben müssen, andere – wie Frankreich – sehen davon ab. Am Mittwoch will die EU einheitliche Regeln für die Branche festlegen. Sie muss dabei eine Balance finden zwischen dem größtmöglichen Schutz vor Ansteckung und der Wirtschaftlichkeit von kommerziellen Flügen.

Die Luftfahrtbranche gehört zu denen, die am stärksten unter der Coronakrise leiden. Der Luftverkehr ist seit dem Ausbruch der Epidemie zu 95 Prozent eingebrochen. In Spanien sind Reisen, wie in den meisten EU-Ländern, in begründeten Ausnahmefällen erlaubt – etwa wegen wichtiger familiärer Angelegenheiten. Auf einer dieser wenigen Strecken kam es jetzt zum Eklat.

Die spanische Polizei Guardia Civil hat nach den Protesten eine Beschwerde gegen Iberia Express eingereicht. Das spanische Transportministerium hat am heutigen Dienstag eine Erklärung von der Airline verlangt. „Die Gesellschaften können diese Art von dichten Ansammlungen nicht erlauben“, sagte der zuständige Staatssekretär Pedro Saura in einem Radio-Interview.

Dabei ist die spanische Gesetzgebung in dem Punkt ambivalent: Auf der einen Seite schreibt eine erst am vergangenen Sonntag im Amtsblatt veröffentlichte Regel für Flüge innerhalb der Kanaren und der Balearen vor, dass nur die Hälfte der Sitzplätze besetzt sein darf. Für Flüge vom spanischen Festland zu den Inseln gibt es jedoch nur die Empfehlung, die maximal mögliche Distanz sicherzustellen.

Luft in der Kabine alle drei Minuten erneuert

Iberia Express erklärte in einer Stellungnahme: Sowohl der Luftfahrtverband IATA als auch der Flugzeughersteller Airbus hätten jüngst erklärt, dass ein freier Sitz in der Mitte nicht nötig sei, da das Ansteckungsrisiko in einem Flugzeug gering sei. „Anders als in anderen öffentlichen Verkehrsmitteln wird die Luft in der Kabine alle drei Minuten erneuert und die Nutzung von Hepa-Filtern sorgt dafür, dass die Luft zu 99,99 Prozent von Viren und Bakterien gereinigt wird“, heißt es in der Stellungnahme.

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IATA hatte zuvor erklärt, dass die allermeisten Airlines nicht mehr wirtschaftlich arbeiten könnten, wenn ein Sitz in der Mitte freigelassen werden müsse. Sie müssten dann die Ticketpreise um rund die Hälfte erhöhen.

„Es fehlen wie bei so vielen Fragen rund um die Corona-Epidemie auch in der Luftfahrt ausreichend Informationen“, sagt Philip Moscoso, Experte für Produktionstechnik und Betriebsmanagement an der spanischen Business School IESE. „Es müsste nun getestet werden, ob die Hepa-Filter auch das Coronavirus eliminieren. Und wenn das so ist, müssen die Airlines das deutlich kommunizieren, denn die Passagiere haben bisher nur die soziale Distanz als Sicherheitsmerkmal im Kopf.“

Bislang gilt in Spanien im Flugzeug – wie in allen öffentlichen Verkehrsmitteln – eine Maskenpflicht. Bei Iberia Express gibt es an Bord zudem keine Zeitschriften oder Verkäufe mehr, auf den Kurzstrecken wurde auch der Service von Getränken und Essen gestrichen, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren.

Dazu hat die spanische Regierung klare Vorschriften bei den Einreisebestimmungen festgelegt: Seit diesem Dienstag gilt eine 14-tägige Quarantänepflicht für diejenigen, die aus dem Ausland nach Spanien reisen. „Da gibt Madrid klar der Gesundheit den Vorrang“, sagt Experte Moscoso.

Der Tourismus ist mit einem Anteil von gut zwölf Prozent an der spanischen Wirtschaftsleistung eine wichtige Branche für Spanien. Nur wenige Wochen vor dem Beginn der Sommerferien sendet die Regierung mit der Quarantäne das Signal, dass ausländische Touristen sich womöglich gar nicht erst auf den Weg nach Spanien machen müssen. Allerdings sind derzeit die internationalen Grenzen ohnehin noch geschlossen – und eine solche Quarantäne gilt in zahlreichen EU-Ländern schon länger, auch in Deutschland.

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