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Konsumgüterkonzern
Persil-Hersteller Henkel rechnet mit Preiserhöhungen – Aktie sechs Prozent im Minus

Der Dax-Konzern blickt wegen steigender Rohstoff- und Transportkosten pessimistischer nach vorn. Verbraucher müssen mit steigenden Preisen rechnen.

08.11.2021| Update: 08.11.2021 - 12:51 Uhr | von Michael Scheppe

Henkel © dpa

Düsseldorf Persil, Pattex und Pritt dürften demnächst teurer werden. Davon geht der Hersteller Henkel nach der Vorlage seiner Quartalszahlen am Montag aus. Der Chef des Dax-Konzerns, Carsten Knobel, rechnet mit steigenden Rohstoffpreisen von zehn bis 15 Prozent – ein Anstieg, wie Henkel ihn seit 15 Jahren nicht mehr gesehen habe.

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„Wir können diese Preissteigerungen nicht vollständig kompensieren und müssen sie an Industrie und Handel weitergeben“, sagte Knobel. Im Bereich Klebstoffe sei es einfacher, die Kosten an die Industriepartner weiterzugeben. Mit dem Handel sei Henkel in Verhandlungen, Details würden bekannt gegeben.

Finanzvorstand Marco Swoboda erklärte, die Produktionskosten mit einem „Bündel von Maßnahmen“ senken zu wollen. Henkel will etwa auf alternative Rohstoffe oder andere Lieferanten setzen.

Trotz der Bemühungen erwartet der Konsumgüterhersteller aufgrund der steigenden Rohstoffkosten für das Gesamtjahr nur noch ein Ergebnis am unteren Ende der Prognosespanne. Die bereinigte Umsatzrendite (Ebit-Marge) soll noch bei rund 13,5 Prozent liegen. Bisher hatte Henkel hier 13,5 bis 14,5 Prozent vorausgesagt, zu Jahresbeginn sogar bis zu 15 Prozent. Der Konzern geht weiterhin von einem organischen Umsatzwachstum von sechs bis acht Prozent für 2021 aus.

Investoren zeigten sich von den Prognosen enttäuscht: Die Henkel-Aktie sackte am Montag zwischenzeitlich um mehr als sechs Prozent ab. Den Titeln droht der größte Tagesverlust seit dem Börsencrash im März 2020. Man sei mit der Ebit-Marge zwar auf Vorjahresniveau, aber der Markt habe offenbar andere Erwartungen eingepreist, so Knobel.

Henkel setzte in den ersten neun Monaten des Jahres 15 Milliarden Euro um – ein nominales Plus von 3,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das um Wechselkurseffekte sowie Zu- und Verkäufe bereinigte organische Wachstum liegt bei 3,5 Prozent und damit etwas höher als von Analysten im Schnitt erwartet. Ergebniskennziffern nennt das Unternehmen zum dritten Quartal nicht.

Henkel profitiert vom Geschäft mit Klebstoffen

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Wachstumstreiber war zuletzt das Geschäft mit Klebstoffen, das im dritten Quartal organisch um sieben Prozent zulegte. Mit dieser stark konjunkturabhängigen Sparte macht Henkel fast die Hälfte seines Konzernumsatzes. Dieser lag in dieser Sparte im abgelaufenen Quartal bei 2,4 Milliarden Euro.

Henkel profitiert dabei etwa von steigender Nachfrage nach Verpackungen und Konsumgütern. Gebremst wurde das Wachstum durch die Automobilindustrie. Hier wirkte sich der Rückgang der Produktion infolge des globalen Halbleitermangels negativ aus.

Henkel-Chef Carsten Knobel © Thomas Berger für Handelsblatt

Die Reinigungsmittelsparte Laundry & Home setzte im dritten Quartal fast 1,7 Milliarden Euro um – und damit organisch fast zwei Prozent mehr. Im Geschäftsfeld Waschmittel erzielte Henkel gerade bei der Kernmarke Persil Wachstum. Bei Oberflächenreinigern ging die Nachfrage zurück. Diese hat sich wieder normalisiert, nachdem sie zu Beginn der Pandemie gestiegen war. Laundry & Home steht für ein Drittel der Henkel-Umsätze.

Die Erlöse der Kosmetiksparte Beauty Care sanken organisch um drei Prozent auf 0,9 Milliarden Euro. Henkel erklärt sich das mit einer Normalisierung der Nachfrage nach Seifenartikeln, die im Vorjahreszeitraum pandemiebedingt erhöht war. Das Friseurgeschäft, das Henkel etwa mit Marken wie Schwarzkopf beliefert, konnte im dritten Quartal an das bisherige Wachstum anknüpfen. Die Kosmetiksparte steht für rund ein Fünftel des Umsatzes.

Im vergangenen Jahr hatten Henkel und seine rund 52.000 Beschäftigten in der Coronakrise Rückgänge bei Umsatz und operativem Ertrag verbucht. Damals litt vor allem das Klebstoffgeschäft unter der Schwäche wichtiger Kunden wie der Autoindustrie. Aber auch das Geschäft mit Friseuren lief wegen vorübergehender Schließungen von Salons nicht rund.

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