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Erneuerbare Energien
Wie Alexander Samwer ein Wind- und Solarkraftimperium aufbaut

Seit Ausbruch des Ukrainekriegs wächst das Interesse von Investoren an erneuerbaren Energien. Die börsennotierte Pacifico will Milliarden in Wind- und Solarkraftparks stecken.

25.04.2022 | von Axel Höpner

Windpark in Polen

München Rocket-Internet-Gründer Alexander Samwer ist dabei, einen Erneuerbare-Energien-Konzern aufzubauen. In dem komplexen Geflecht der Aktivitäten spielt der börsennotierte Betreiber von Wind- und Solarparks, Pacifico, eine Schlüsselrolle.

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„Unser Anspruch muss es sein, schnell zu wachsen“, sagte Pacifico-Mitgründer und Co-CEO Martin Siddiqui dem Handelsblatt. Ziel sei es, ein deutsches Unternehmen zu schaffen, das im Bereich der erneuerbaren Energien global zu den führenden Spielern gehöre. Auf dem Weg dahin will sich Pacifico auch verstärkt im Bereich der Batteriespeicher engagieren.

Pacifico kauft und betreibt Wind- und Solarparks in ganz Europa. Das von Siddiqui und Co-CEO Christoph Strasser gegründete Unternehmen war 2019 relativ kurz nach der Gründung an die Börse gegangen. Mehrheitseigentümer ist mit 63 Prozent Pelion Green Future, eine Holding des jüngsten Samwer-Bruders Alexander Samwer. Diese ist zum Beispiel auch größter Aktionär des Wind- und Solarparkbetreibers Clearvise.

Darüber steht die Investmentholding Arvantis, die Alexander Samwer 2018 mit Jeremias Heinrich gegründet hatte. Dazu gehört die Risikokapitalfirma Picus Capital, die in Dutzende Start-ups wie zum Beispiel Personio, aber auch in das Solar-Start-up Enpal investiert hat.

Zweites Standbein von Arvantis ist die auf Immobilien spezialisierte Investmentholding Creanos. Pelion Green Future soll als drittes Segment in nachhaltige Unternehmen unter anderem in den Bereichen erneuerbare Energien, Forst- und Landwirtschaft investieren. Hinzu kommt noch die gemeinnützige Organisation Arvantis Social Foundation.

Trennung von Projektentwicklung und Betrieb

Pacifico soll nun der Nukleus sein für den Bereich der erneuerbaren Energien. Dabei setzt das Unternehmen auf das sogenannte Yield-Modell, bei dem Projektentwicklung und Betrieb getrennt werden. Pacifico steht dem Betreiber früh zur Seite und übernimmt die Parks, wenn sie in Betrieb genommen werden oder kurz davor sind.

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Dabei arbeitet das Unternehmen mit dem Entwickler Pacifico Energy Partners aus der Gruppe zusammen, aber auch mit externen Anbietern wie der Wirth Gruppe, Boom Power und ACE Power.

Im Fokus stehen dabei Projekte mit fünf bis 50 Megawatt Leistung. Die Entwickler kleinerer und mittlerer Anlagen hätten oft Probleme, an Kapital zu kommen, sagte Strasser. Insgesamt kommt Pacifico derzeit mit Wind- und Photovoltaikkraftwerken unter anderem in Deutschland, Polen und den Niederlanden auf eine Leistung von 166 Megawatt. Bis 2023 sollen es 400 Megawatt sein.

Christoph Strasser und Martin Siddiqui

Den notwendigen finanziellen Spielraum für die weitere Expansion beschaffte sich Pacifico mit 35 Millionen Euro über einen Green Bond.

Die Gründer sehen großes Wachstumspotenzial – jetzt erst recht. „Die Energiewende kann nur mit vielen kleinen Solar- und Windkraftanlagen funktionieren, die über das ganze Land verteilt sind“, sagte Strasser.

Pacifico profitiert von den hohen Strompreisen

Europa habe keine riesigen freien Landflächen. Zudem seien derzeit zunehmend die Stromnetze die Engstelle. Auch dies spreche für eine verstärkte dezentrale Produktion. Da zudem die Strompreise gestiegen, die Kosten im Bereich der erneuerbaren Energien aber gesunken seien, rechneten sich verstärkt auch kleinere Anlagen.

Schon in den ersten Monaten dieses Jahres profitierte Pacifico von den hohen Strompreisen. Im Gesamtjahr sollen die Umsätze von 22 auf 33 bis 43 Millionen Euro steigen.

Die Pipeline von Pacifico ist gut gefüllt. „Wir haben Projekte mit insgesamt mehr als drei Gigawatt in Aussicht“, sagt Strasser. Dies bedeute, wenn alles klappt, ein Investitionsvolumen von bis zu drei Milliarden Euro – und mögliche dreistellige Millionenumsätze. „Langfristig sind unserer Fantasie keine Grenzen gesetzt“, antwortet Siddiqui auf die Frage nach Milliardenumsätzen auf längere Sicht.

Denn Pacifico profitiert von den globalen Trends. Angesichts des Ukrainekriegs will Deutschland unabhängiger von russischem Gas werden und die Erneuerbaren noch schneller ausbauen.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck und Umweltministerin Steffi Lemke (beide Grüne) hatten vor wenigen Wochen Eckpunkte für einen schnelleren Ausbau der Windkraft an Land vorgelegt. Dabei soll unter anderem die artenschutzfachliche Prüfung vereinfacht werden. Windräder sollen künftig auch in Landschaftsschutzgebieten grundsätzlich zulässig sein.

Netze an der Grenze

Im vergangenen Jahr hatte es einen Rückschlag für die Energiewende in Deutschland gegeben. Die Kohle löste mit einem Anteil von gut 30 Prozent die Windkraft wieder als wichtigste Stromquelle ab. Windräder steuerten nur 21,5 Prozent bei.

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In den nächsten Jahren dürfte der Anteil aber weiter steigen. Allerdings stießen die Netze schon jetzt an ihre Grenzen, sagt Strasser. Auch deshalb werde der Bedarf an Stromspeichern steigen, die kurzzeitig Energie aufnehmen, um die Netze in kritischen Momenten zu entlasten. „Das ist ein wichtiges Puzzleteil für die Energiewende“, sagt Strasser, der früher gemeinsam mit Siddiqui im Bereich der erneuerbaren Energien bei JP Morgan gearbeitet hat.

Aktuell sieht sich Pacifico als Wachstumswert, auf längere Sicht soll die Aktie aber auch ein Dividendenpapier mit stabilen Erträgen werden. Bislang hat die Story an der Börse nur teilweise gezündet. Seit dem Hoch im vergangenen Sommer bei 38 Euro war der Kurs bis auf 26 Euro gefallen. Seit dem Beginn des Ukrainekriegs zog die Bewertung an.

Dieser Artikel erschien zuerst am 21.04.2022 um 11:24 Uhr.

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