ABO
Anzeige

Energie
Eon erhöht seine Wachstumsziele und investiert 27 Milliarden Euro

Eine Woche nachdem Konkurrent RWE vorgelegt hat, kündigt nun der Essener Energieriese Eon 27 Milliarden Euro für Netze, Digitalisierung und Infrastruktur an. 

22.11.2021 | von Kathrin Witsch und Jürgen Flauger

Leonhard Birnbaum © dpa

Düsseldorf Der Energiekonzern Eon will in den nächsten fünf Jahren 27 Milliarden Euro investieren. Das teilte das Essener Unternehmen am Montagabend mit. Der Großteil des Geldes soll in den Ausbau und die Modernisierung von Stromnetzen und in neue digitale Geschäftsfelder fließen. Die Dividende soll um fünf Prozent und der Gewinn um vier Prozent pro Jahr steigen. Für das Jahr 2026 rechnet Eon mit einem bereinigten Ebitda von 7,8 Milliarden Euro (6,9 Milliarden Euro waren es 2020).

Anzeige

Seit dem milliardenschweren Tauschgeschäft mit Konkurrent RWE konzentriert sich Eon auf die Sparten Netz und Vertrieb und hat die grüne Stromproduktion abgegeben. Und darin sieht Eon-CEO Leonhard Birnbaum großes Wachstumspotenzial. Jede zusätzlich produzierte Kilowattstunde grüner Strom wird nicht nur in Stromleitungen eingespeist, beim Management von Angebot und Nachfrage nehmen die Netzbetreiber auch eine zentrale Rolle ein. Allein in Deutschland hängen 50 Prozent der Erneuerbaren-Anlagen am Eon-Netz. Bis 2023 soll das regulierte Netzgeschäft um jährlich vier bis fünf Prozent wachsen.

Das dürfte vor allem die Aktionäre freuen. Schließlich ist der Konzern, den Birnbaum von seinem langjährigen Vorgänger Johannes Teyssen erst im April übernommen hat, noch in einer schwachen Verfassung: Die Schulden sind hoch, das Eigenkapital ist schwach – und der Aktienkurs war in den vergangenen Jahren eine Enttäuschung.

Immerhin: Seit Amtsantritt von Birnbaum stieg der Aktienkurs bereits um knapp zehn Prozent. Birnbaum sieht zwei zentrale Trends in der Energiewirtschaft: „Nachhaltigkeit“ und „Digitalisierung“. Und während Eon bei der Energiewende lange hinterherlief und zu lange an der alten Energiewelt festhielt, soll der Konzern jetzt radikal modernisiert werden. 

Alle Prozesse sollen digital optimiert werden – im Vertrieb, aber auch in den Energienetzen. Die insgesamt 1,5 Millionen Kilometer langen Leitungen sollen zur intelligent gesteuerten Schaltzentrale für die Energiewende werden – und dem Konzern neue Umsätze bringen. Genau wie neue digitale Produkte für die mehr als 50 Millionen Kunden. Eon will dabei mit Branchengrößen wie MicrosoftGoogle und SAP zusammenarbeiten, aber auch mit Start-ups.

Ende September sicherte sich Eon bereits die Mehrheit an dem Digital-Start-up GridX. Seit 2017 arbeitet der Stromkonzern schon mit den Münchenern zusammen. Das erst vor fünf Jahren gegründete Unternehmen entwickelt digitale Lösungen für die intelligente Steuerung im Stromnetz, zum Beispiel durch das bidirektionale Laden von Elektroautos. Die sollen den Strom dann nicht nur verbrauchen, sondern bei Bedarf auch wieder ins Netz abgeben können und so helfen, die zunehmenden Schwankungen bei Solar- und Windenergie besser auszugleichen. 

Wie genau der neue Fahrplan aussehen soll, will Birnbaum, der seit 2013 im Vorstand sitzt, am Dienstag bei der Vorstellung der neuen Strategie erklären. 

Anzeige

Weiterlesen...

Anzeige
ICO/Audio-Play@1,5x stop „@1x