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Vorwurf der Marktmanipulation
US-Justiz geht gegen Händler von JP Morgan vor

Die Vorwürfe gegen Mitarbeiter der US-Bank JP Morgan wiegen schwer: Sie sollen den Anschuldigungen zufolge den Terminmarkt für Edelmetalle jahrelang manipuliert haben.

16.09.2019 | von Michael Maisch

Schriftzug der US-Bank JP Morgan © Reuters

Frankfurt Das US-Justizministerium wirft zwei aktuellen und einem ehemaligen Edelmetall-Händler der Großbank JP Morgan Betrug vor. Die Beschuldigten sollen den Anschuldigungen zufolge den Terminmarkt für Edelmetalle über Jahre hinweg systematisch manipuliert haben. Nach Darstellung der Strafverfolger haben die Verdächtigen illegal die Preise für Gold, Silber, Platin und Palladium in eine für sie vorteilhafte Richtung gelenkt.

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Zu den Beschuldigten zählt ein Banker, der den Edelmetall-Handel bei JP Morgan geleitet hat. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg wurde der Händler im vergangenen Monat suspendiert. Die Manipulationsversuche sollen sich über acht Jahre erstreckt und tausende von Geschäften umfasst haben. JP Morgan wird im Statement des Justizministeriums nicht explizit genannt. Andere Dokumente im Zusammenhang mit diesem Fall ermöglichen es allerdings, die Vorwürfe der US-Bank zuzuordnen.

Experten gehen davon aus, dass die Klage des Justizministeriums gegen die drei Händler die Diskussion um die Betrugsanfälligkeit der globalen Edelmetall-Märkte weiter anheizt. Das globale Geschäft wird von einigen großen internationalen Banken wie JP Morgan und dem britischen Geldhaus HSBC dominiert.

Die Vorwürfe sind Teil einer größeren Untersuchung der amerikanischen Justiz über mögliche Manipulationen am Rohstoffmarkt. Die Behörden haben bereits Anklagen gegen 16 verdächtige Banker eingereicht, darunter Händler die für die Deutsche Bank und das Schweizer Geldhaus UBS gearbeitet haben. Sieben der Beschuldigten haben sich bereits schuldig bekannt, einer wurde verurteilt, ein weiterer freigesprochen.

Die Händler, die sich schuldig bekannten, sagten aus, dass die Manipulationen Routine waren, sich über viele Jahre erstreckten und von ihren Vorgesetzten abgesegnet wurden. Bei den Vorwürfen geht es beispielsweise um vorgetäuschte Handelsaufträge, bei denen die Händler niemals die Absicht hatten, sie tatsächlich auszuführen.

Vorgetäuschte Orders

Zwei der Händler, die sich schuldig bekannten, hatten ebenfalls für JP Morgan gearbeitet. Einer von ihnen sagte aus, dass er von seinen Vorgesetzten und höherrangigen Händlern angewiesen wurde, Orders zu platzieren, die vor der Ausführung wieder gelöscht werden sollten.

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Damit sollten anderen Marktteilnehmern falsche Informationen zu Angebot und Nachfrage und zu den aktuellen Edelmetallpreisen vorgegaukelt werden. „Wir schufen Marktaktivitäten, die die Verkaufspreise künstlich nach oben trieben und andere Marktteilnehmer dazu verleiten sollten, zu überhöhten Notierungen zu kaufen“, gab der Händler zu Protokoll.

Ein anderer Händler, der ebenfalls für JP Morgan gearbeitet hatte, sagte bei einer Anhörung vor einem Gericht in Manhattan im vergangenen Monat aus, dass vorgetäuschte Geschäfte im Edelmetallhandel bei der Großbank beinahe ein Jahrzehnt lang Gang und Gäbe waren. Er selbst habe die Terminmärkte für Gold, Silber, Platin und Palladium von Niederlassungen in New York, London und Singapur aus zwischen 2007 und 2016 regelmäßig manipuliert.

Mehr: Saudi Aramco soll zunächst an die heimische Börse gehen und 2020 an einen internationalen Handelsplatz. JP Morgan könnte dabei eine zentrale Rolle spielen.

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