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Wang Tao
So tickt der Gründer des chinesischen Drohnen-Pioniers DJI

Der DJI-Gründer Wang Tao ist ein Perfektionist: Für die Entwicklung der Produkte ist das ein Segen, für so manchen Mitarbeiter ist es ein Fluch.

09.01.2020 | von Sha Hua

Wang Tao © ddp/Xinhua/Sipa USA

Peking Wang Tao ist ein von der Arbeit Besessener. Jahrelang kam der Gründer des chinesischen Drohnenherstellers Dajiang International, kurz DJI, auf eine 80-Stunden-Woche. Neben seinem Bürotisch steht noch immer ein ausklappbares Einzelbett.

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Nachts kommen dem 38-Jährigen meist die besten Ideen. Die will Frank, wie er sich im Ausland nennt, dann immer sofort besprechen. Und wenn niemand zu dieser Uhrzeit noch zugegen ist, greift er auch mal gerne zum Telefon und klingelt Kollegen aus dem Bett. Um solche Störungen zu vermeiden, so erzählen die Mitarbeiter, stellen einige ihre Handys aus oder legen sie in eine Metallbox, um einen schlechten Empfang vorzutäuschen.

Wer mit Wang zusammenarbeitet, muss einiges aushalten können. „Bring nur dein Gehirn, nicht deine Gefühle“ steht auf zwei Postern über der Tür zu seinem Büro. Schlechte Arbeit kritisiert Wang mit harschen, direkten Worten. „Wer ein Herz aus Glas hat, der hält es nicht lange bei DJI aus“, sagen ehemalige Angestellte.

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Denn Wang ist vom Ehrgeiz angetrieben, das beste Produkt entwickeln zu wollen. „Wegen meines Perfektionismus habe ich schon viele Menschen sehr verletzt“, gibt er zu. Sogar wie fest eine Schraube sitzen soll, demonstrierte er seinen Mitarbeitern.
Eigentlich wollte Wang an der renommierten Stanford University oder dem Massachusetts Institute of Technology studieren. Doch seine Noten waren nur mittelmäßig und ihm blieb nichts anderes übrig, als nach Hongkong zu gehen.

Bereits während seines Master-Studiums gründete er 2006 mit zwei Kommilitonen in Shenzhen, das gegenüber von Hongkong auf dem Festland liegt, in einem 20 Quadratmeter großen Zimmer DJI. Weil Wang sich vor allem für seine Geräte interessierte und ständig Kurse schwänzte, brauchte er für seinen Abschluss fünf statt der üblichen zwei Jahre.

Bis dahin hatte er aber schon seine ersten profitablen Produkte herausgebracht und das Interesse der Branche geweckt. Als 2012 die erste „Phantom“-Drohne auf den Markt kam, verbreitete sich die Nachricht, dass es eine Drohne gab, die nicht nur flog, sondern stabil in der Luft schweben konnte, wie ein Lauffeuer unter Drohnenliebhabern.

Seit diesem Durchbruch ist DJI rasant gewachsen und inzwischen zum weltweit größten Hersteller von zivilen Drohnen aufgestiegen. Neben solchen, die filmen können, gibt es nun auch welche, die bei Reparaturen helfen oder Dünger spritzen. Nur bei der Entwicklung von Lieferdrohnen hält sich DJI zurück.

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Allein in den USA beträgt DJIs Marktanteil nach Berechnungen der Beratungsfirma Drone Industry Insights 76,8 Prozent. Trotz Wangs Ruf, nicht unkompliziert zu sein, wollen viele junge Ingenieure bei DJI arbeiten: Inzwischen sind weltweit rund 14.000 Mitarbeiter beim Unternehmen beschäftigt.

Vor allem junge Chinesen sind stolz auf diese Firma, die weltweit von Nutzern und Experten geschätzt wird. „Bei DJI stimmt vieles: Die Produkte sind günstig und von guter Qualität. Außerdem sind die Systeme gut ineinander integriert“, sagt Kay Wackwitz, Direktor von Drone Industry Insights. Zwar gebe es einzelne Nischenbereiche, wo andere Hersteller auftrumpfen, jedoch sei das chinesische Unternehmen in der breiten Masse „derzeit konkurrenzlos“. Für viele ist DJI nicht nur bloß Marktführer, sondern auch Vorreiter – und zwar weltweit.

Dank des Erfolgs seiner Firma kann Wang es sich auch herausnehmen, heimische Handy-Hersteller zu kritisieren. Keiner von ihnen habe es bisher geschafft, „etwas herzustellen, bei dem die Nordamerikaner und Europäer ‚Wow‘ sagen“, meint er. Letztlich handele es sich bei den Smartphones nur um „Haushaltsgeräte“, denen man „eine Internet-Hülle“ übergestülpt habe.

Wang hat hohe Ansprüche – ob nun an Produkte oder Unternehmer. „Ich schätze die Ideen von Steve Jobs“, sagte Wang einst dem Wirtschaftsmagazin Forbes. „Aber bewundern tue ich niemanden.“

Mit einer Ausnahme: Auf WeChat postete er 2015, dass es jemanden gebe, „der zehnmal besser als alle Internet-Unternehmen ist, Apple eingeschlossen“. Die Person, von der er schrieb, habe als Verkäufer in den „extrem chaotischen 90er-Jahren“ angefangen und es geschafft, allen Widrigkeiten zum Trotz „echt abgefahrene Technik herzustellen und sein Team gut zu managen“. Besonders bewundere er dabei, dass es der Person niemals um so etwas profanes wie Profit gegangen sei. „Genau“, schrieb er. „Ich spreche von Huawei-Gründer Ren Zhengfei.“

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Von ihm muss Wang neben guter Unternehmensführung wohl auch noch andere Sachen lernen: Nämlich, wie man mit dem Misstrauen der US-amerikanischen Regierung umgeht. Ende Oktober ordnete das amerikanische Innenministerium ein Flugverbot für seine 810 Drohnen an. Mindestens 15 Prozent von ihnen, so berichtete das Wall Street Journal, stammten von DJI. Der Grund: Die Amerikaner befürchten, dass in China hergestellte oder mit chinesischen Komponenten ausgestattete Drohnen zur Spionage genutzt werden können und somit eine Bedrohung der nationalen Sicherheit darstellen.

DJI erklärte dazu, dass man das US-Innenministerium bei der Untersuchung unterstütze und hoffe, dass die Drohnen bald wieder ihre Arbeit aufnehmen können. Um die Bedenken der amerikanischen Regierung zu minimieren, hatte DJI bereits im Sommer vorgeschlagen, einen Teil seiner Drohnen in den USA zusammenzubauen und eine sogenannte „Government Edition“ mit speziellen Sicherheitsvorkehrungen anzubieten.

Mehr: Als erster Digitalkonzern aus China hat DJI eine ganze Produktkategorie für Kunden auf der ganzen Welt etabliert. Acht von zehn Drohnen stammen von DJI.

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