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Telekommunikation
Vodafone fährt Glasfaserausbau in Deutschland zurück

Deutschland hängt beim Glasfaserausbau weit zurück. Telekom, Telefónica und andere Firmen wollen das ändern. Nun bremst Vodafone die deutsche Tochter.

30.11.2020 | von Stephan Scheuer

Glasfaser in Deutschland © dpa

Düsseldorf Glasfaser ist die wichtigste Zukunftstechnik der digitalen Infrastruktur. Endkunden und Firmen brauchen immer höhere Datenraten. Doch bei den Glasfaseranschlüssen bis ans Haus zählt Deutschland zu Europas Schlusslichtern.

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Eigentlich wollten die großen Netzbetreiber in Deutschland das ändern. Doch während Deutsche Telekom und Telefónica ihre Pläne konkretisieren, macht Vodafone nun einen Rückzieher. Der in Düsseldorf ansässige Netzbetreiber werde auf ein „fokussierteres Neugeschäft“ setzen, sagte ein Sprecher auf Anfrage. „In diesem Zuge werden wir Teile unserer Glasfaseraktivitäten und Teams umwidmen“, sagte der Sprecher.

Hinter dieser Entscheidung steht die Konzernzentrale in London. Die Firmenleitung habe die eigentlich ambitionierteren Pläne für Deutschland aus Kostengründen gebremst, hat das Handelsblatt erfahren. Die Rendite sei zu niedrig gewesen, schrieb zuvor die Zeitung „Rheinische Post“, die zuerst über den Strategieschwenk berichtete hatte.

Nach eigenen Angaben besitzt Vodafone derzeit in Deutschland ein Glasfasernetz mit einer Gesamtlänge von 160.000 Kilometern. Zum Vergleich: Die Deutsche Telekom bringt es auf mehr als 550.000 Kilometer. Der aufwendigste und teuerste Schritt für die Netzbetreiber ist die letzte Verbindung zwischen Netz und einzelnen Haushalten. Oft müssen Straßen oder Vorgärten aufgerissen werden. Das kostet Zeit und Geld.

Telekom-Konzernchef Timotheus Höttges hatte angekündigt, ab dem kommenden Jahr rund zwei Millionen Haushalte jährlich anschließen zu wollen. „Wir sind beim Glasfaserausbau bereit, neue Wege zu gehen. Kooperationen einzugehen. Bestehende Zusammenarbeit auszuweiten“, sagte Höttges.

In einem Pilotprojekt arbeitet die Telekom mit dem Rivalen Telefónica zusammen. Mit Rückendeckung der Konzernzentrale in Madrid will Telefónica künftig auch selbst den Glasfaserausbau in Deutschland voranbringen und hat dazu zusammen mit dem Versicherer Allianz eine Gemeinschaftsfirma gegründet.

In Spanien gilt Telefónica als das treibende Unternehmen hinter dem weit ausgebauten Glasfasernetz. Spanien gehörte noch im Jahr 2008, ähnlich wie Deutschland, zu den am schlechtesten erschlossenen Ländern in Europa. In nur sechs Jahren gelang es dem Land, sich auf den ersten Platz der großen Staaten in Europa vorzuarbeiten.

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Stärker ins Kabelnetz investieren

Der Konzern kündigte jüngst an, bis 2025 alle Haushalte mit den schnellen Leitungen zu versorgen. Im Vergleich der OECD-Länder rangiert Spanien auf einem der vordersten Plätze. Stand Juni 2019 hatten in Spanien 62,5 Prozent der Haushalte einen Glasfaseranschluss. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 3,6 Prozent.

Vodafone will hingegen stärker auf die Verbesserung der bestehenden Netze setzen. Das Unternehmen hatte vergangenes Jahr mit der Übernahme des Konkurrenten Unitymedia sein Kabelnetz erweitert. In rund zwei Dritteln der deutschen Haushalte liegt ein Kabelanschluss.

Bis zum Jahr 2022 will Vodafone sein Netz so weit aufrüsten, dass in jedem Haushalt mit Kabelanschluss auch Gigabit-Geschwindigkeiten möglich sind. Das ist zwar deutlich mehr, als per klassischen DSL-Anschlüssen möglich ist. Glasfaseranschlüsse sind jedoch noch deutlich leistungsfähiger.

Vodafone wollte die Entscheidung im Umgang mit der Glasfaserstrategie nicht als Abschied von dem Geschäft verstanden wissen. Bereits eingeworbene Projekte würden auch umsetzt, betonte der Firmensprecher. „Mit mehr als 150.000 Haushalten und 23.000 Unternehmen haben wir in den letzten Monaten eine der größten Glasfaser-Ausbau-Pipelines in Deutschland aufgebaut“, sagte er.

Das Unternehmen konzentriere sich künftig aber stärker darauf, Glasfaser in das bestehende Kabelnetz einzubringen. Auch innerhalb des Kabelnetzes verbessert Glasfaser die Leistungsfähigkeit. Die vollen Kapazitäten werden aber erst erreicht, wenn das Glasfasernetz bis in die Haushalte der Kunden reicht.

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