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Leistungshalbleiter
Infineon: So zügelt der Chiphersteller den Stromhunger der Rechenzentren

Die Pandemie sorgt für immer mehr Datenverkehr. Für den Dax-Konzern ist das eine Chance, in einem hochprofitablen Geschäft zu wachsen.

23.05.2021 | von Joachim Hofer

Chipfertigung © Infineon

München Heimarbeit und Distanzunterricht: Milliarden Menschen verbringen seit mehr als einem Jahr ihre Tage mit Videokonferenzen. Die Rechenzentren laufen deshalb heiß – für den Halbleiterhersteller Infineon ein Glücksfall. Der Dax-Konzern liefert Chips, um den Stromhunger der Netzwerkrechner zu zügeln.

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„Jedes neue Rechenzentrum verbraucht so viel Strom wie eine Kleinstadt. Daher sind unsere energieeffizienten Chips so wichtig für die Betreiber, auch um die Betriebskosten zu senken“, sagte Andreas Urschitz, Leiter der Infineon-Sparte Power & Sensor Systems (PSS), dem Handelsblatt.

Zu den Kunden des Bereichs gehören Internetriesen wie Alibaba, Amazon, Baidu oder Google. Urschitz: „Wir arbeiten eng mit den Betreibern der Rechenzentren zusammen und liefern maßgeschneiderte Lösungen. Das ist eine Riesenchance, wie wir uns entlang unserer Expertise im Bereich Energieeffizienz differenzieren können.“

Infineon erzielt mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes mit Chips für die Stromversorgung, den Leistungshalbleitern. In den Netzwerkrechnern, den sogenannten Servern, sind sie in unmittelbarer Nähe zu den Prozessoren angebracht, also praktisch den „Gehirnen“ der Computer.

Eines der ertragsstärksten Geschäfte von Infineon

Besonders interessant für die Investoren: „Das ist eines unserer ertragsstärksten Geschäfte, zudem wächst es stark“, beteuerte Spartenchef Urschitz. PSS ist der mit Abstand profitabelste Bereich von Infineon. Die operative Marge im jüngsten Quartal lag bei 23,4 Prozent. Im gesamten Unternehmen betrug sie 17,4 Prozent. Der Umsatz der Division ist zwischen Januar und Ende März gegenüber dem Vorjahr um 28 Prozent auf 787 Millionen Euro geklettert. Sie steht für 29 Prozent des Konzernumsatzes.

Es hat seinen Grund, dass die Betreiber der Rechenzentren auf besonders energieeffiziente Lösungen Wert legen. Rechenzentren verbrauchen allein zwei Prozent des Stroms in der EU, Tendenz steigend. Denn das Datenvolumen steigt: So ist die weltweite Internetnutzung in Zeiten von Covid-19 zwischen 10 und 30 Prozent geklettert.

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Gleichzeitig aber hat US-Präsident Joe Biden im April versprochen, die Emissionen seines Landes beim Treibhausgas CO2 bis 2030 im Vergleich zu 2005 zu halbieren. Auch die Bundesregierung hat sich jüngst ehrgeizigere Klimaziele gesetzt. 2030 soll demnach 65 Prozent weniger CO2 ausgestoßen werden im Vergleich zu 1990.

Die Vorgaben werden weltweit nur erreicht, wenn die Industrie mitzieht – also auch die Betreiber der Rechenzentren. Einige haben sich bereits eigene Ziele gesetzt. Microsoft etwa hat versprochen, den Ausstoß von Klimagasen auf null zu senken, und möchte ab 2030 sogar Kohlendioxid aus der Atmosphäre entfernen. Apple will bis 2030 klimaneutral werden – von der Fabrik bis zum Elektroschrottplatz.

Für den Chiphersteller Infineon können die Umweltziele der Kunden gar nicht ambitioniert genug sein. Die fortschrittlichsten Leistungshalbleiter sorgen beispielsweise dafür, dass die Rechner nicht mehr so heiß werden. Dadurch müssen die Betreiber die Anlagen nicht so stark kühlen, was viel Strom verschlingt.

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Die energieeffizienten Leistungshalbleiter sind mit ein Grund, warum die meisten Analysten für die kommenden Monate mit einem kräftigen Kursanstieg rechnen. Die strukturellen Wachstumsaussichten seien mittel- bis langfristig stark, urteilte jüngst Andreas Schaller von der Deutschen Bank. Der Banker erwartet ein Kursplus von gut einem Drittel binnen Jahresfrist.

Es läuft rund in diesen Tagen: Vorstandschef Ploss hat Anfang Mai zum zweiten Mal dieses Jahr die Prognose erhöht. Der Ingenieur stellt nun einen Umsatz von elf Milliarden Euro in Aussicht. Das sind 200 Millionen mehr, als er im Februar vorhergesagt hatte, und entspricht einem Plus von gut einem Viertel gegenüber dem vorigen Geschäftsjahr.

Außerdem wird Infineon besser verdienen: Die operative Marge im Geschäftsjahr, das am 30. September zu Ende geht, soll auf 18 Prozent steigen. Das sind 0,5 Prozentpunkte mehr als bisher angekündigt.

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Auch andere Chiphersteller profitieren vom Boom der Rechenzentren. Die Verkäufe von Speicherchips würden wegen der hohen Nachfrage durch Rechenzentren „signifikant“ zulegen, teilte Samsung mit. Die Südkoreaner sind die größten Produzenten von Speicherchips weltweit. Beim Prozessorproduzenten AMD schoss der Umsatz der Serversparte im jüngsten Quartal von 348 Millionen Dollar vor einem Jahr auf 1,34 Milliarden Dollar in die Höhe.

Nur eins bremst die Branche: Einen Teil ihrer Produkte beziehen die Chipkonzerne von Auftragsfertigern in Fernost. Die aber sind voll ausgelastet. Infineon werde das im laufenden Geschäftsjahr bis zu 200 Millionen Euro Umsatz kosten, fürchtet Finanzvorstand Sven Schneider.

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