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Chipmangel
Tiefschlag für Autoindustrie: Brand im Renesas-Chipwerk sorgt für monatelange Lieferprobleme

Die Halbleiterbranche kommt aufgrund der hohen Chipnachfrage schon lange nicht mehr hinterher bei Aufträgen. Nun gibt es eine weitere Belastung.

29.03.2021 | von Joachim Hofer

Brand in Chipfabrik von Renesas © AFP

München Schlechte Nachrichten für die Autohersteller: Der Brand im Chipwerk von Renesas in der japanischen Stadt Hitachin-Naka Mitte März hat größere Schäden verursacht als zunächst angenommen. Es werde mindestens einen Monat dauern, um die Produktion wieder aufnehmen zu können, sagte eine Sprecherin des japanischen Halbleiterherstellers der Nachrichtenagentur Reuters zufolge. Der Austausch der Maschinen könne sich sogar über mehrere Monate hinziehen.

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Das Feuer hat mehrere Maschinen zur Chipherstellung und fünf Prozent eines Reinraums im Stammwerk von Renesas in Hitachin-Naka zerstört. Zunächst war von elf ausgefallenen Maschinen die Rede, das japanische Wirtschaftsblatt „Nikkei“ berichtete am Montag, es seien 17 Anlagen betroffen.

Vorige Woche noch hatte Renesas-Chef Hidetoshi Shibata versprochen, innerhalb eines Monats wieder zu fertigen. Für die Kunden von Renesas zählt unterdessen jeder Tag. Seit Monaten fehlen in den Fahrzeugwerken Chips. Bei VW, Daimler, Ford oder General Motors standen die Bänder zuletzt zum Teil wochenlang still.

Mit der Elektroautomarke Nio pausiert diese Woche erstmals auch die Fertigung eines bekannten chinesischen Anbieters. Die Beratungsfirma Alix Partners schätzt, dass den Autoherstellern wegen des Chipmangels dieses Jahr 61 Milliarden Dollar Umsatz entgehen könnten.

Der schwedische Nutzfahrzeughersteller Volvo hat vergangene Woche ebenfalls angekündigt, im zweiten Quartal immer wieder seine Fabriken zu schließen. Weil die Halbleiter fehlten, würden die Lastwagenwerke wohl insgesamt zwei bis vier Wochen ruhen. Der Mangel werde sich auch im Unternehmensergebnis niederschlagen.

Renesas rechnet mit knappem Chipangebot bis Herbst

Mit Erlösen von 5,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr ist Renesas zwar im internationalen Maßstab ein kleiner Chiphersteller. Zum Vergleich: Deutschlands größter Halbleiterproduzent, Infineon, kam zuletzt auf einen Umsatz von 8,5 Milliarden Euro.

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Für viele Automarken ist Renesas aber ein wichtiger Lieferant. Denn bei Mikrocontrollern sind die Japaner gemeinsam mit NXP aus den Niederlanden führend mit rund 27 Prozent Anteil am globalen Geschäft. Mikrocontroller sind Ein-Chip-Computer für ganz spezielle Aufgaben, zum Beispiel für Fensterheber. Fehlt nur ein einziger dieser Mikrocontroller, steht unter Umständen ein ganzes Autowerk still.

Bei den Autochips insgesamt ist Renesas die Nummer drei weltweit mit einem Marktanteil von neun Prozent. Führend auf diesem Gebiet ist Infineon aus München mit gut 13 Prozent.

In der Chipproduktion ist Präzision im Nanometer-Bereich extrem wichtig, sodass schon kleine Abweichungen den gesamten Fertigungsprozess ins Stocken bringen können. Im Februar war die Fabrik bereits drei Tage wegen der Folgen eines Erdbebens ausgefallen.

Die Halbleiterbranche kommt schon lange nicht mehr hinterher mit den Aufträgen. Die Fertigungskapazitäten der Hersteller reichen nicht aus, um die weltweit steigende Nachfrage nach Chips zu bedienen. Außerdem verschärften Werksschließungen nach einem Wintereinbruch in Texas die Probleme der Branche.

„Das Angebot wird im ersten Halbjahr knapp bleiben“, sagte Renesas-Chef Shibata, kurz bevor das Feuer ausgebrochen war. „So wie die Dinge jetzt aussehen, wird sich die Situation auch in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen.“ Es hängt nun auch an Renesas selbst, wann sich die Lage wieder entspannt.

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