ABO
Anzeige

Micron
45 Prozent weniger Umsatz: An diesem Chip-Giganten zeigt sich, wie es der Weltwirtschaft geht

Der Umsatz des Speicherchip-Spezialisten bricht ein. Das Geschäft läuft wesentlich schlechter, als Analysten erwartet hatten. Eine Hoffnung aber bleibt.

30.09.2022 | von Joachim Hofer

Micron-Fabrik © AP

München Autos, Handys, Kaffeemaschinen und Roboter: Kaum ein elektrisches Gerät kommt ohne Speicherchips aus. Entsprechend beunruhigend für die Weltwirtschaft sind die jüngsten Ergebnisse von Micron.

Anzeige

Das Geschäft des amerikanischen Speicherchipspezialisten läuft deutlich schlechter, als die Analysten erwartet hatten. Der viertgrößte Halbleiterhersteller der Welt rechnet für das laufende Quartal, es begann am 1. September, mit 4,25 Milliarden Dollar Umsatz. Das sind zwei Milliarden weniger, als die Banker an der Wall Street prognostiziert hatten, und entspricht einem Minus von 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Was uns überrascht hat, ist, wie stark der Rückgang ausfällt“, sagte der für das operative Geschäft zuständige Vorstand Sumit Sadana.

Der Boom der vergangenen zweieinhalb Jahre in der Chipindustrie ist damit vorüber. In den Lagern der Elektronikhersteller stapeln sich die Speicherchips. Die weltweit hohe Inflation dämpfe die Nachfrage nach PCs und Laptops, so die Marktforscher von Trendforce. Sie rechnen für die weit verbreiteten, sogenannten DRAM-Speicherchips mit einem Preisverfall von 13 bis 18 Prozent im vierten Quartal.

„Wenn wir nach vorne schauen, ist die gesamtwirtschaftliche Unsicherheit hoch, und es ist kaum vorherzusagen, was kommt“, sagte Finanzvorstand Mark Murphy. Wichtige Kunden der Chipindustrie wie Apple erhöhen nicht wie geplant ihre Bestellungen, sondern kaufen bestenfalls genauso viele Chips wie im Vorjahr.

Weiterlesen...

Der US-Konzern hatte zuletzt nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg seine Pläne kassiert, die Produktion des neuen Smartphones iPhone 14 in der zweiten Jahreshälfte um bis zu sechs Millionen Einheiten zu steigern. Der erwartete Nachfrageschub sei ausgeblieben.

Anzeige

Micron wird um ein Drittel schrumpfen

Apple geht es noch gut im Vergleich zu anderen Abnehmern der Speicherchiphersteller. So haben die Notebook-Hersteller im zweiten Quartal weltweit ein Viertel weniger Geräte ausgeliefert als im Jahr zuvor. Die Smartphone-Produktion ist um sechs Prozent gesunken.

Weiterlesen...

Besserung ist nicht in Sicht. Die Analysten von Morningstar gehen davon aus, dass der Umsatz von Micron im gerade begonnenen Geschäftsjahr um knapp ein Drittel sinken wird. So haben auch die wichtigsten Konkurrenten, Samsung und SKHynix aus Südkorea, bereits vor einem zähen Geschäft zum Jahresende gewarnt.

Micron-Chef Sanjay Mehrotra kündigte an, die Investitionen um 30 Prozent zu kürzen: „Ja, wir haben ein herausforderndes Marktumfeld, aber wir reagieren schnell.“ Allerdings werden die Einschnitte den Preisverfall nur stoppen, wenn die Wettbewerber mitziehen. Speicherchips sind Standardprodukte, die austauschbar sind.

>> Lesen Sie hier: Europas wertvollstes Chip-Start-up greift mit TSMC den Marktführer Nvidia an

Offenbar haben die beiden großen Wettbewerber aus Südkorea bereits reagiert. So ist die Produktion von Halbleitern in dem Land im August um 1,7 Prozent gesunken. Es ist dies der erste Rückgang seit mehr als vier Jahren. Im Juli verzeichnete das Statistikamt noch ein Plus von 17,3 Prozent.

Der japanische Rivale Kioxia kündigte am Freitag an, den Output bis Dezember um 30 Prozent zu senken. Den Herstellern bleibt damit die Hoffnung, dass sich die Preise stabilisieren, wenn der Ausstoß sinkt und sich die Lager leeren.

Weiterlesen...

Anzeige
ICO/Audio-Play@1,5x stop „@1x