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Health-i-Award 2019
Das sind die besten Gesundheitsideen des Jahres

Das Handelsblatt und die Techniker-Krankenkasse haben Gründer ausgezeichnet, die das Gesundheitssystem revolutionieren könnten. Das sind die Gewinner.

10.11.2019 | von Carina Kontio

Health-i-Award 2019 © Marc-Steffen Unger für Handelsblatt

Berlin Die Höhle der Gesundheitslöwen befand sich in diesem Jahr im Berliner Kühlhaus. Wo zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts unzählige Schweinehälften von der Decke hingen, Fische und Kaviar bei frostigen Temperaturen gelagert wurden, stellten sich Ende vergangener Woche vielversprechende Start-ups aus der Gesundheitsbranche im Live-Pitch der Jury.

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Bereits zum vierten Mal waren beim Health-i-Award, einer Initiative der Krankenkasse „Die Techniker“ und des Handelsblatts, innovative Lösungen für die Digitalisierung des Gesundheitswesens gesucht. Vergeben wird der Preis seit 2016 in den Kategorien „Junge Talente“, „Unternehmen“ und „Start-ups“ – in der letzten Kategorie durfte das geladene Publikum per Live-Voting entscheiden.

Kategorie „Junge Talente“

In der Kategorie „Junge Talente“ hat dieses Jahr Christina Roitzheim gewonnen, die gemeinsam mit ihrem Gründerteam Selkuc Aciner, Andrea Bedoya und Eleonore Filhol die Smartphone-App „Contenance“ entwickelt hat. Hinter dem Namen verbirgt sich ein mobiler Coach, der helfen soll, die rasant zunehmende Handysucht zu bekämpfen.

Auf die Frage, warum man ausgerechnet mit einem Smartphone seine Smartphonesucht bekämpfen sollte, erklärte Roitzheim: „Wir setzen auf eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Handy. Es ist wie beim Schwimmenlernen: Um in kritischen Momenten nicht abzusaufen, muss ich ins Wasser gehen.“ Mit „Contenance“ sollen Menschen die Möglichkeit bekommen, ihr problematisches Nutzungsverhalten zu erkennen und es mithilfe verhaltenstherapeutischer Übungen via App zu behandeln, so Roitzheim.

Kategorie „Unternehmen“

Auch Jungunternehmer Maximilian Greschke hat die Jury überzeugt, der es mit seinem Start-up „Recare“ in die Endauswahl geschafft hatte. „Recare“ ist eine digitale Entlassmanagement-Plattform, die Greschke Anfang 2017 gegründet hat. Mithilfe der Software können Krankenhäuser für pflegebedürftige Patienten nach der Entlassung unmittelbar eine geeignete Weiterversorgung organisieren.

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Das sind die innovativsten Ideen aus der Gesundheitswelt

In den meisten Krankenhäusern ist das vielerorts noch ein sehr analoger und aufwendiger Prozess: Menschen telefonieren, verschicken Faxe, es dauert. Genau hier setzt die Plattform „Recare“ an mit einem intelligenten Vermittlungsalgorithmus.

„So sind die Patienten nach der Entlassung optimal versorgt, müssen nicht unnötig lange im Krankenhaus bleiben“, erklärt der 29-Jährige. „Recare“ verbindet bereits mehr als 130 Krankenhäuser mit gut 9000 Pflegenachsorgern. Greschke betont: „Das sind 40 Prozent aller Nachsorger, die es in Deutschland gibt.“ Laudatorin Brigitte Zypries (SPD), ehemalige Bundeswirtschaftsministerin, gratulierte anerkennend: „Glückwunsch, ich hoffe aber, dass ich Ihre App nie brauche.“

Kategorie „Start-ups“

Eine smarte Idee für das Gesundheitswesen stellte auch Frank Böhme vor, der mit seinem Unternehmen „Scanacs“ in der Kategorie „Start-up“ angetreten war. Hinter seiner Erfindung steckt eine Lösung mit großem ökonomischen Potenzial: 750 Millionen Rezepte, die Patienten für ihre Medikamente vom Arzt ausgestellt bekommen, werden jährlich von den Krankenkassen und Apotheken verarbeitet.

Während der Patient allerdings schon nach wenigen Minuten mit seinen Tabletten in der Hand die Apotheke wieder verlässt, erwacht im Hintergrund ein Bürokratiemonster zum Leben. Denn zwischen Arzneimittelabgabe und dem Abschluss der Rezeptprüfung durch die Krankenkasse können bis zu zwölf Monate vergehen. Allein 75 Millionen Rezepte müssen bei den Prüfern in den Krankenkassen erneut gecheckt werden – im gesamten Abrechnungsprozess wird ein Rezept mehr als zehnmal in die Hand genommen.

„Ein Prozess, der Zeit und Ressourcen verschlingt – beim Apotheker und der Krankenkasse“, sagt der Dresdner IT-Unternehmer Böhme. „Das ist teuer: Jährlich verursacht dieser Ablauf Prozesskosten in Höhe von 150 Millionen Euro.“ Mithilfe der „Scanacs“-Plattform werden nun aus mehreren Monaten wenige Sekunden – und die Apotheke erhält in Echtzeit einen Hinweis auf die Erstattungsfähigkeit des Arzneimittels.

Informationen zum Health-i-Award

Die Initiative

Das Handelsblatt und die Techniker-Krankenkasse wollen mit der 2016 gestarteten Health-i-Initiative neue Ideen für eine bessere Gesundheitsversorgung fördern. Herzstück ist dabei der Health-i-Award.

Der Award

Im Fokus der Auszeichnung: digitale Ideen für die Weiterentwicklung unserer Gesundheitsversorgung. Gut 170 Bewerbungen wurden in diesem Jahr geprüft und vorausgewählt. Die Jury der Health-i Initiative traf daraufhin zusammen, um die Shortlist zu bestimmen.

Die Zielgruppe

Junge Talente aus Gesundheit und Gesundheitswirtschaft. Kreative Freigeister, die etwas zu sagen haben und sich in der E-Health-Branche einen Namen machen wollen.

Drei Kategorien

Ausgezeichnet werden die Gründer in den drei Kategorien: "Junge Talente", "Start-ups" und "Unternehmen".

Über die Kategorie "Junge Talente"

- Kreative Vordenker/innen, die an der Uni oder in der Forschung bereits innovative Produkte/Projekte entwickelt haben
- Projektideen von Nachwuchstalenten aus der Gesundheitsbranche (eine ausgearbeitete Projektskizze oder ein Businessplan liegen vor, bisher noch keine Gründungsaktivitäten)
- Forschungsprojekte, Gründungsintention der Wissenschaftler/innen, aber noch nicht gegründet beziehungsweise innerhalb Forschungstransfer-Förderdauer, aber nicht länger als 12 Monate nach Gründung
- Studentische Projekte aus Abschlussarbeiten (BA, Master und PhD) und Seminarprojekten mit substanziellem Innovationsgehalt, Gründungsintention beziehungsweise innerhalb Exist-Förderdauer oder anderer akademischer Förderprogramme (Acceleratoren, Inkubatoren, öffentlicher Zuschüsse et cetera, aber nicht länger als 12 Monate nach Gründung)

Über die Kategorie "Start-ups"

- Junge kreative Teams mit einer smarten digitalen Idee
- Innovativ in Technologie und/oder Geschäftsmodell
- Jünger als fünf Jahre (Gründungen nach dem 01.01.2012)
- Weniger als 10 Mitarbeiter/innen und/oder Jahresumsatz bis 250.000 Euro

Über die Kategorie "Unternehmen"

- Etablierte Unternehmen älter als fünf Jahre
- Mindestens zehn Vollzeitkräfte
- 250.000 Euro Mindestumsatz
- Unternehmen wie KMUs, mittelständische Unternehmen, Konzerne und Tochtergesellschaften
- Spin-offs und Ausgründungen aus firmeneigenen Innovation Labs, Inkubatoren und Acceleratoren

Wissenschaftlicher Partner

Als wissenschaftlicher Experte bewertet Prof. Dr. Alfred Werner vom Universitätsklinikum Essen alle eingegangenen Bewerbungen anhand folgender Kriterien: Innovationsgrad, Marktattraktivität, Kompetenz, Alleinstellungsmerkmal, Finanzierungs- und Geschäftsmodell, Wettbewerbsintensität und Status des Unternehmensaufbaus (Start-ups).
Werner hat sich der Digitalisierung in der Medizin verschrieben und die Universitätsmedizin Essen auf den Weg zum Smart Hospital gebracht. Er leitete als Ärztlicher Direktor das Marburger Universitätsklinikum und als Ärztlicher Geschäftsführer das Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) GmbH. Darüber hinaus war Werner zehn Jahre Herausgeber der European Archives of Otorhinolaryngology, Head and Neck, der ältesten HNO-Zeitschrift Europas. Seit dem 1. Oktober 2015 ist Prof. Werner Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Essen.

Die Shortlist

Für den Health-i Award 2019 hat die Jury am 3. September in Hamburg aus der vorher getroffenen Auswahl eine sogenannte Shortlist bestehend aus drei  Nominierten pro Kategorie erstellt. Über die Shortlisten der "Jungen Talente" und "Unternehmen" haben dann wiederum die Mitglieder des Health-i Boards einzeln per Online-Voting abgestimmt und so die Gewinner des Health-i Awards bestimmt. Der Sieger der Kategorie "Start-ups" wird bei der Preisverleihung durch einen Live Pitch von allen anwesenden Gästen ermittelt.

Die Jury 2019

- Sven Afhüppe, Chefredakteur Handelsblatt Media Group
- Dr. Jens Baas, Vorsitzender des Vorstands Techniker Krankenkasse
- Prof. Dr. Björn Bergh, Direktor Universitätsklinikum Heidelberg – Zentrum für Informations- und Medizintechnik
- Verena Fink, Geschäftsführende Gesellschafterin Woodpecker Finch GmbH
- Sarah Fix-Bähre, Industry Leader Insurance bei Google Germany GmbH
- Dr. Thomas Friese, General Manager Digital Platform Siemens Healthineers
- Claudio Hasler, Co-Founder und CEO PeakProfiling
- Dr. Shari Langemak, Director Innovation & Business cereneo AG
- Alexander Puschilov, Geschäftsführer Viomedo
- Marco Winzer, Partner High-Tech Gründerfonds Management GmbH

Schirmherr 2019

Schirmherr der Health-i Initiative ist Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: "Unser Gesundheitswesen ist ein echtes Digitalisierungslabor! Denn die Möglichkeiten der Digitalisierung sind dort so greifbar wie in kaum einem anderen Bereich. Mehr Innovationstransfer ist möglich, wenn wir aus einer großen Vielfalt von Gesundheits-Apps gute und sichere Produkte mit Bewertungshilfen sichtbar machen und Anwendungen mit einem nachweisbaren Nutzen für den Patienten schneller in die Erstattung der Krankenversicherungen bekommen.
Dabei gilt für mich: der Patient muss Herr über seine Daten sein. Wenn er Daten weitergibt, dann informiert und freiwillig. Mein Ziel ist es, aus einer guten eine noch bessere Gesundheitsversorgung zu machen. Patientinnen und Patienten sollen die Vorteile der Digitalisierung so bald wie möglich konkret und spürbar im Behandlungsalltag erleben können. Daran knüpft auch die Health-i Initiative von Handelsblatt und TK an und bringt Start-Ups mit Pioniergeist und neuen Ideen zusammen. Gerne habe ich daher in diesem Jahr die Schirmherrschaft übernommen."

Zusätzlich können Patienten dank der „Scanacs“-Lösung von der Aufgabe entlastet werden, ärztliche Verordnungen und Kostenvoranschläge zwischen ihrer Apotheke und der Krankenkasse im wahrsten Sinne des Wortes „zu Fuß“ austauschen zu müssen.

„Scanacs“ digitalisiert den kompletten Vorgang, sodass Patienten schneller an die für ihre Genesung notwendigen Leistungen kommen. Diesen innovativen Ansatz fanden die 200 Gäste auf der Health-i-Veranstaltung so überzeugend, dass sie „Scanacs“ zum Sieger in der Kategorie „Start-up“ wählten.

Frische Ideen für die Gesundheit

Mehr als 500 Schüler, Studenten, Forscher, Gründer und gestandene Unternehmer haben sich in den vergangenen drei Jahren um die Auszeichnung beworben, die den besten Talenten eine Bühne bietet, sich und ihre Ideen zu präsentieren.

Als wissenschaftlicher Partner dabei ist die Universitätsmedizin Essen unter der Leitung des Vorstandsvorsitzenden Jochen Alfred Werner. Er bewertet alle eingegangenen Bewerbungen anhand folgender Kriterien: Innovationsgrad, Marktattraktivität, Kompetenz, Alleinstellungsmerkmal, Finanzierungs- und Geschäftsmodell, Wettbewerbsintensität und Status des Unternehmensaufbaus.

„Wir haben uns mit dem Award vorgenommen, innovative Firmen im Gesundheitsmarkt sichtbar zu machen“, erklärte Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe. „Jungen Unternehmen, die etwas in der Welt verbessern wollen, möchten wir eine Plattform geben und helfen, sie groß zu machen.“ Ebenso begeistert ist auch Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse, von der Initiative: „Start-ups und Krankenkassen passen vielleicht doch besser zusammen, als man denkt. Das zeigt der Abend hier.“

Die Health-i-Initiative steht unter der Schirmherrschaft von Gesundheitsminister Jens Spahn, dessen erklärtes Ziel es ist, „aus einer guten eine noch bessere Gesundheitsversorgung“ zu machen.

Nur wenige Stunden zuvor wurde im Bundestag das „Digitale-Versorgung-Gesetz“ verabschiedet, und so kam Gottfried Ludewig, Leiter der Abteilung Digitalisierung und Innovation des Ministeriums, mit guten Nachrichten zur Verleihung: „Das Team im Gesundheitsministerium feiert heute Abend.“ Apps seien keine Spielerei und hätten viele Anwendungsmöglichkeiten in der Medizin. „Und wir sind das erste Land auf der Welt, bei dem es Apps auf Rezept gibt“, fügte er hinzu.

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