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Klimakrise
Wasserstoff-Industrie startet in Marokko mit deutscher Aufbauhilfe

In Marokko soll künftig grüner Wasserstoff für Deutschland produziert werden. Entwicklungsminister Müller stellt dafür 90 Millionen Euro bereit.

06.12.2020 | von Donata Riedel

Wasserstoff © dpa

Berlin Das erste Projekt zur Produktion von grünem Wasserstoff in Afrika soll jetzt mit deutschen Entwicklungsgeldern starten. „Wir haben Marokko fast 90 Millionen Euro an Krediten für den gemeinsamen Bau der ersten großtechnischen Anlage für die Produktion von grünem Wasserstoff zugesagt“, sagte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) dem Handelsblatt.

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Dies habe er bei den gerade abgeschlossenen Regierungsverhandlungen mit dem marokkanischen Außenminister Nasser Bourita vereinbart. Das Projekt diene auch dem Ziel, dass Marokko gestärkt aus der Coronakrise hervorgehe und neue Arbeitsplätze entstünden.

Marokko zählt neben Australien und Chile zu den Ländern, mit denen Deutschland im Rahmen seiner Wasserstoffstrategie Partnerschaften aufbauen will. Der grüne Wasserstoff soll in diesen sonnen- und windreichen Ländern produziert und nach Deutschland transportiert werden.

Um den Bedarf der kommenden Jahre zu sichern, hat die bundeseigene Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit dem Deutschen Wasserstoff- und Brennzellenverband (DWV) das Konzept „H2 Global“ erarbeitet.

Denn Experten schätzen, dass innerhalb Deutschlands bestenfalls 30 Prozent des Bedarfs an grünem Wasserstoff für energieintensive Industrien wie Stahl und Chemie sowie für den Schwerlast- und Luftverkehr hergestellt werden können. Ohne importierten grünen Wasserstoff können es diese Branchen nicht schaffen, klimaneutral zu werden.

Ein Vorbild für weitere Wasserstoffprojekte

Die Ausschreibung für die Pilotanlage in Marokko soll im Jahr 2021 stattfinden. In der ersten Ausbaustufe soll die Anlage eine Leistung von 200 Megawatt aus erneuerbaren Energien und 100 Megawatt Elektrolyse-Kapazität haben. Mit dem Bau soll nicht nur die wirtschaftliche Machbarkeit der Wasserstoff-Großprojekte demonstriert werden, die Anlage gilt auch als Vorbild für eine wettbewerbsfähige Produktion in Partnerländern durch Entwicklungszusammenarbeit.

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Das Entwicklungsministerium hatte im vergangenen Jahr eine „Unternehmensallianz Energie“ ins Leben gerufen, um die Technologien und Kompetenzen deutscher Unternehmen rund um Wasserstoff früh einzubinden. Diese Allianz besteht aus Unternehmen und Verbänden aus dem Anlagenbau, Betreiberunternehmen, Logistikern bis hin zu potenziellen Endabnehmern. Interesse an der Zusammenarbeit zeigen etwa Thyssen-Krupp, Siemens, MAN Energy Solutions, aber auch Start-ups wie Sunfire aus Dresden und Ineratec aus Karlsruhe.

Müller will mit dem Projekt zudem qualifizierte Jobs in der Region schaffen. Im Zuge des Projekts soll auch die Energieversorgung vor Ort verbessert werden.

Marokko ist eines der Reformpartnerländer Deutschlands in Afrika. Es hat laut Müller in den letzten Jahren große Entwicklungsfortschritte gemacht. So hat sich das Land im „Doing Business“-Index der Weltbank, der die Bedingungen für Geschäftstätigkeiten misst, in den letzten zehn Jahren von Platz 115 auf Platz 53 vorgearbeitet.

Corona könnte die jüngsten Fortschritte zunichtemachen

Diese Fortschritte sind allerdings durch die Corona-Pandemie gefährdet. Marokko ist nach Südafrika das am zweitstärksten betroffene Land Afrikas; auch weil der Tourismus, der sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht, zum Erliegen gekommen ist.

Müllers Ministerium unterstützt zudem Unternehmen mit Garantien von 400 Millionen Euro und zahlt zusätzlich Überbrückungshilfen für von der Pandemie besonders betroffene Menschen. „Deutschland ist so der größte Unterstützer Marokkos in der Krise“, sagte Müller.

Die staatliche KfW-Bank unterstützt Marokko ebenfalls. Am Freitag gab sie bekannt, dass sie 250 Millionen Euro für zinsverbilligte Kredite bereitstellt, die den Zugang zu Finanzdienstleistungen für Unternehmen in dem Land ebnen sollen.

Es gehe auch darum, das Einlagensicherungssystem in Marokko zu stärken, heißt es in einer Pressemitteilung. Das finanzierte Reformprogramm steht im Zusammenhang mit der 2017 während der deutschen G20-Präsidentschaft vereinbarten Initiative „Compact with Africa“, mit der Reformen in sechs afrikanischen Partnerländern, darunter Marokko, unterstützt werden sollen.

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