ABO
Anzeige

Impfstoff
Russland geht in die Offensive mit „Sputnik V“– Doch Europa blockt ab

Die Massenproduktion von Sputnik V startet in Indien. Doch in der EU zögert die Arzneimittelbehörde Ema weiter mit der Zulassung des Vakzins.

13.07.2021 | von Mathias Brüggmann

Sputnik V Impfung © Bloomberg

Berlin Russlands Staatsfonds RDIF feiert den vereinbarten Beginn der Produktion des russischen Corona-Impfstoffs „Sputnik V“ durch den weltgrößten Vakzinproduzenten als „großen Erfolg“. 300 Millionen Dosen solle das Serum Institute of India von September an jährlich herstellen. Das sei ein wichtiger Durchbruch für den russischen Impfstoff, sagte RDIF-Chef Kirill Dmitrijew am Dienstag in Moskau.

Anzeige

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte kürzlich bekanntgegeben, er habe sich auch mit „Sputnik V“ impfen lassen. Dennoch rissen die negativen Meldungen über den Impfstoff, dessen Entwicklung der RDIF finanziert hatte, nicht ab.

Am Dienstag meldete die Nachrichtenagentur Reuters, die Europäische Arzneimittel-Agentur (Ema) habe noch immer nicht die nötigen wissenschaftlichen Daten erhalten, um über eine Zulassung von „Sputnik V“ zu entscheiden. Unter Berufung auf fünf mit der Sache vertraute Personen hieß es, der russische Hersteller habe bereits mehrfach die Fristen zur Abgabe der benötigten klinischen Daten gerissen.

Dmitrijew hingegen behauptete, es gebe einen „sehr guten Fortschritt mit der Ema“. Er rechne „im Herbst“ mit der Zulassung des russischen Impfstoffs durch die EU-Behörde und „im September oder Oktober“ mit der Zulassung durch die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Weder durch die Ema noch durch die WHO ist das Vakzin bisher zugelassen worden, das im August 2020 ohne Abwarten der wichtigen dritten klinischen Erprobungsphase in Russland registriert worden war.

Viele russische Regionen haben Impfpflicht verhängt

Auch dies hat nach Ansicht von Experten dazu geführt, dass die Impfbereitschaft in Russland sehr niedrig ist. Erst jeder fünfte Russe hat bisher mindestens eine Impfdosis erhalten, sogar in Indien sind es mehr. Das dort produzierte „Sputnik V“ soll laut Dmitrijew im Milliardenland selbst verimpft, aber auch exportiert werden. Wie groß dieser Anteil sein wird, ließ er offen. Inzwischen ist in 28 der 84 russischen Regionen eine Impfpflicht für ganze Berufsgruppen weit über den Gesundheits- und Bildungssektor hinaus eingeführt worden.

Anzeige

Auch aus anderen Regionen kommen negative Nachrichten: Die Slowakei, dem nach Ungarn zweiten EU-Staat, wo „Sputnik V“ eingesetzt wurde, hat 160.000 der 200.000 gelieferten Dosen an Russland zurückverkauft – für 9,95 Dollar pro Impfdosis. Zuvor hatte es einen Skandal um die Qualität gegeben und darum, ob ein von der EU nicht zugelassenes Vakzin überhaupt verimpft werden soll. In der Folge traten der Premier und der Gesundheitsminister zurück.

Guatemala fordert gezahlte 80 Millionen Dollar von Russland zurück, da die bestellten acht Millionen Dosen noch immer nicht geliefert wurden. Auch andere Staaten klagen über massive Lieferverzögerungen seitens Russlands. Dort gibt es erhebliche Produktionsengpässe.

Weiterlesen...

Anzeige
ICO/Audio-Play@1,5x stop „@1x