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Energiewende
Bundeswirtschaftsministerium ebnet Weg für den Einbau intelligenter Stromzähler

Smart Meter sollen die Energiewende weiter vorantreiben. Die Regierung stellt am Donnerstag die Weichen für den bundesweiten Einsatz der Geräte.

19.12.2019 | von Klaus Stratmann

Stromzähler © dpa

Berlin Intelligente Stromzähler, sogenannte Smart Meter, können nach Auffassung vieler Fachleute einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten. Bislang hat sich Deutschland allerdings schwer damit getan, die Voraussetzungen für ihren flächendeckenden Einbau zu schaffen.

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Das ändert sich nun: Das Bundeswirtschaftsministerium bestätigte dem Handelsblatt, dass am Donnerstag ein dritter Hersteller das Zertifikat für ein sogenanntes Smart Meter Gateway (SMGW) erhält. Ein SMGW stellte die zentrale Kommunikationseinheit eines intelligenten Strommesssystems dar. Die Zertifizierung der Geräte ist Aufgabe des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI).

Nach dem Messstellenbetriebsgesetz kann der verpflichtende Rollout der Geräte beginnen, sobald mindestens drei voneinander unabhängige Unternehmen intelligente Messsysteme am Markt anbieten, die erfolgreich das Zertifizierungsverfahren des BSI durchlaufen haben. Dies ist mit der Übergabe des Zertifikates am Donnerstag der Fall.

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Zusätzlich ist noch eine sogenannte „Markterklärung“ erforderlich, in der das BSI die besonderen Anforderungen unterschiedlicher Einsatzbereiche den technischen Möglichkeiten der Geräte gegenüberstellt. Die entsprechende Analyse des BSI soll nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums „Anfang nächsten Jahres abgeschlossen werden“.

Smart Meter ersetzen herkömmliche Stromzähler. Die Geräte sollen dabei helfen, die Digitalisierung in die Energiewende zu tragen. Sie stellen die Kommunikation zwischen Stromverbrauchern, Stromerzeugern und Netzbetreibern auf eine neue Basis. Stromnachfrage und Stromproduktion können so besser in Einklang gebracht werden.

So werden beispielsweise variable Stromtarife möglich. Verbraucher können mit ihrem Verbrauchsverhalten aktiv auf die Höhe ihrer Stromkosten Einfluss nehmen, indem sie abhängig von der Tageszeit mehr oder weniger Strom verbrauchen. Aufgrund der zeitnahen Erfassung von Verbrauchswerten können außerdem unnötige Stromfresser identifiziert werden.

Verpflichtend ist der Einbau allerdings zunächst nur bei Stromverbrauchern, die mehr als 6.000 Kilowattstunden Strom verbrauchen. Zur Einordnung: Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt hat einen Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden.

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Energiebranche wartet auf Startschuss

Mit der Grenze von 6.000 Kilowattstunden dürften aber bereits kleinere Gewerbebetriebe von der Pflicht zum Einbau der intelligenten Zähler betroffen sein. Auch bei Erzeugungsanlagen mit mehr als sieben Kilowatt installierter Leistung sowie bei steuerbaren Verbrauchern (Ladepunkte für Elektromobile, Wärmepumpen, Nachtspeicherheizungen) wird der Einbau verpflichtend.

Die Energiebranche wartet seit Langem auf den Startschuss für Smart Meter. „Die Stadtwerke stehen längst in den Startlöchern und möchten von der Planungs- und Vorbereitungsphase in die Umsetzungsphase kommen“, sagte Michael Wübbels, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), dem Handelsblatt.

Im VKU sind die Stadtwerke zusammengeschlossen, die Stromverteilnetze und Stromerzeugungsanlagen betreiben. Mit den Geräten könnten die Stadtwerke „smarte Geschäftsmodelle für ihre Kunden auf den Weg bringen“, sagte Wübbels.

„Die Geräte der ersten Generation werden aber beweisen müssen, dass sie die angekündigten Mehrwerte bieten. Sie müssen zudem beweisen, dass sie praxistauglich sind, sich nahtlos in unterschiedliche Systeme integrieren lassen, quasi per Plug-and-play funktionieren und zukunftsfähig per Update sind“, sagte er. Das sei notwendig, damit Smart Meter etwa in einem Wohnquartier die Stromerzeugung über Photovoltaikanlagen oder die Ladevorgänge von Elektroautos intelligent steuern könnten.

Verbraucherzentrale hat Bedenken

Der Verbraucherzentralen-Bundesverband (VZBV) sieht den verpflichtenden Einbau allerdings kritisch. Es sei zu befürchten, dass Verbraucher auf Zusatzkosten sitzen blieben, sagte Thomas Engelke, Teamleiter Energie und Bauen im VZBV, dem Handelsblatt. „Smart Meter sind in der Theorie eine gute Sache, weil sie die Energiewende voranbringen sollen. Der Einbau der Smart Meter darf aber nicht zu Lasten der Verbraucherinnen und Verbraucher gehen“, sagte Engelke.

Festgelegt seien bislang nur die Betriebskosten. Jetzt müssten die Netz- und Messstellenbetreiber variable Tarife anbieten und eingesparte Kosten vollständig weitergeben. Verbraucher müssten an den finanziellen Vorteilen der Energiewende teilhaben und nicht zusätzlich belastet werden, forderte Engelke.

Für die Smart Meter werden Betriebskosten für die Verbraucher fällig, die je nach Verbrauch zwischen 23 und 100 Euro jährlich variieren. Hinzu kommen für die Hauseigentümer Umbaukosten für einen neuen Zählerschrank, wenn der neue Smart Meter nicht in den vorhandenen Schrank passt.

Und schließlich sind Kosten für Zusatzleistungen nicht gedeckelt. „Ob diese Zusatzkosten durch Energiesparen und kostengünstige variable Stromtarife wieder hereinkommen, ist mehr als fraglich. Vorteile haben die Netz- und Messstellenbetreiber. Sie sparen Kosten, weil die Smart Meter nicht mehr vor Ort abgelesen werden müssen und weil die Netze besser ausgelastet werden können“, sagte Engelke.

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