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Kommentar
Rekordstrompreise: Die Abschaffung der EEG-Umlage reicht nicht aus

Wenn die Umlage über das EEG wegfällt, zahlt der Verbraucher ein paar Cent weniger für seinen Strom – das reicht nicht aus, wenn die Energiewende gelingen soll.

31.01.2022 | von Kathrin Witsch

Windenergie © dpa

Bei Wind- und Solarparkbetreibern klingeln die Kassen, während Verbraucher unter Rekordstrompreisen ächzen. Das sorgt für Unmut, und zwar zu Recht. Jahrzehntelang haben die Bürger den Aufbau ebenjener Wind- und Solarparks über die Umlage des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) finanziert, aber an den Profiten werden sie nicht beteiligt. 

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Die von der Bundesregierung angekündigte Abschaffung der EEG-Umlage reicht dafür nicht aus. Damit zahlt der Verbraucher zwar ein paar Cent weniger pro Kilowattstunde – die massiven Preissteigerungen an der Strombörse kompensiert das bei Weitem nicht. Das muss sich ändern, wenn die Energiewende gelingen soll.

Das EEG hat Deutschland Anfang der 2000er zum Vorreiter in Sachen Energiewende gemacht und jahrelang gute Dienste geleistet. 2014 sollte mit der verpflichtenden Einführung der Direktvermarktung für Anlagen ab einer bestimmten Größe der Wechsel zu erneuerbaren Energien weiter vorangetrieben werden. Das EEG sollte nur noch als Absicherung nach unten dienen. Dafür musste der Verbraucher mit seiner Stromrechnung herhalten.

Jetzt verkaufen die Betreiber den Großteil ihrer Ökoenergie zu horrenden Preisen an der Börse, wo sie von Versorgern abgenommen und zu ebenso horrenden Preisen an die Stromkunden weiterverkauft wird. Viele Betreiber nutzen die Gunst der Stunde und freuen sich über die hohen Gewinne. Und wer sollte es ihnen verübeln? Schließlich ist das politisch genau so vorgesehen. Nur hatte die Politik nicht mit einem so rasant steigenden Strompreis gerechnet. 

Die spanische Regierung hatte kurzzeitig eine recht radikale Lösung für dasselbe Problem vorgeschlagen. Dort existiert zwar kein EEG, aber auch hier streichen Grünstrombetreiber derzeit hohe Gewinne ein, während die Bürger noch mehr als in Deutschland unter den hohen Strompreisen leiden. Deswegen wollte Spanien einen Mechanismus einführen, der die Profite aus CO2-neutral produzierenden Kraftwerken an Verbraucher zurückgegeben hätte. Auf grünen Strom aus alten Anlagen wäre dann eine Sonderabgabe fällig geworden. In Spanien, wo der Großteil des Ökostroms über langfristige Verträge und eben nicht an der Börse verkauft wird, hätte dieser Schritt viele Wind- und Solarparks in Bedrängnis gebracht. Also hat man die Idee schnell wieder verworfen. 

Das Problem ist alles andere als trivial. Aber wenn es eine Untergrenze für grünen Strom gibt, warum dann nicht auch eine Obergrenze? Genau das wird in der Branche aktuell diskutiert. Klar ist: Es muss sich etwas ändern. Sonst bekommt die Energiewende das nächste Akzeptanzproblem. 

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