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Kommentar
Das Beispiel Elring-Klinger zeigt: Wer auf Wasserstofftechnik setzt, sollte Schwankungen aushalten

Die Aktie des schwäbischen Zulieferers Elring-Klinger hat ein heftiges Auf und Ab hinter sich. Aktionäre sollten noch öfters mit solchen Kursschwankungen rechnen.

20.10.2020 | von Ulf Sommer

Rohrleitung mit Wasserstoff © dpa

Düsseldorf Ein tiefroter Börsentag war der vergangene Donnerstag: Beinahe alle Kurse rutschten ins Minus. Nur die Aktie des schwäbischen Autozulieferers Elring-Klinger legte um mehr als 20 Prozent zu.

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Auslöser war Wasserstoff: Elring-Klinger bekommt vom großen Flugzeugbauer Airbus einen zweistelligen Millionenbetrag dafür, dass die Firma ihre Brennstoffzellen-Technologie zur Verfügung stellt. Es geht um die Entwicklung eines Wasserstoffantriebs für Flugzeuge. Beide wollen noch in diesem Jahr ein Gemeinschaftsunternehmen gründen.

In der Vergangenheit war das schwäbische Unternehmen durch Ertragseinbrüche aufgefallen, so wie fast alle Zulieferer. Dabei hat sich Vorstandschef Stefan Wolf schon vor gut einem Jahrzehnt Gedanken über die Zeiten gemacht hat, wenn seine Dichtungen nicht mehr gebraucht werden, weil es eines Tages keine Verbrennungsmotoren mehr geben könnte. Der Lohn sind mehrere Aufträge von E-Auto-Herstellern; einer dürfte Tesla sein.

Dennoch sah die Börse Elring-Klinger lange Zeit als Verlierer im Wettlauf um den künftigen Autoantrieb. Vermutlich zu Unrecht, doch erst der kleine Airbus-Auftrag erschließt mit einem Mal neue Anlegerkreise: hochspekulative Aktionäre, für die vor allem Hoffnung und Fantasie rund um die Wasserstofftechnik zählt. Das erkannten wohl auch viele Anleger, als sie zu Beginn dieser Woche ihre Aktien verkauften. Der Kurs verlor mehr als zehn Prozent.

Das plötzliche Auf und Ab bei der seit dem Börsenhoch im Jahr 2013 um gut 75 Prozent tief gefallenen Elring-Klinger-Aktie lehrt: Der Weg zu wasserstoffbetriebenen Flugzeugen ist noch weit. Die Bedingungen dafür sind noch viel schwieriger als am Boden.

Spekulation auf Erfolg und Misserfolg treiben den Kurs

Dass aber Airbus ausgerechnet Elring-Klinger die Technik zutraut und nicht den reinrassigen Wasserstofftechnik-Firmen wie Ballard Power, Nikola, Powercell, ITM, Nel oder Plugpower, deren Kurse bereits kräftig gestiegen sind, ist positiv. Es zeigt, dass Großkonzerne dem Zulieferer zutrauen, konkurrenzfähige Produkte in dieser Zukunftstechnologie zu entwickeln und zu liefern.

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Wohl zu Recht, denn das Unternehmen mit seinen rund 10.000 Mitarbeitern spielt seine Fertigkeiten in der Herstellung von Brennstoffzellen schon seit den 90er-Jahren aus. Mit nennenswerten Gewinnbeiträgen aus dieser Technik sollten Anleger zwar erst einmal nicht rechnen. Allein die Spekulation auf Erfolg und Misserfolg treiben den Kurs nach oben wie nach unten. Doch wer auf Wasserstofftechnik und die entsprechenden Aktien setzt, sollte diese Schwankungen aushalten.

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