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US-Notenbank
Die Fed verunsichert die Märkte – aber mit Maß

Die US-Notenbank hat bereits im April über ein Ende der Anleihekäufe diskutiert. Damit bereiten die Währungshüter den Boden für eine Debatte über weniger Konjunkturhilfen.

19.05.2021| Update: 19.05.2021 - 22:19 Uhr | von Katharina Kort

US-Notenbank © AFP

New York Die Kapitalmärkte hatten am Mittwoch viel zu verdauen. Erst hat der Crash am Kryptomarkt die Anleger verunsichert, als der Bitcoin zwischendurch 30 Prozent verlor und auf 30.000 Dollar fiel. Dann wurde bekannt, dass die US-Notenbank bereits bei ihrem Treffen Ende April darüber diskutiert hat, die Anleihekäufe zu reduzieren.

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Das ließ die Aktienkurse an der Wall Street fallen, auch wenn sie sich zum Börsenschluss wieder erholen konnten. Die Technologiewerte hatten zwischenzeitlich besonders stark verloren, schlossen dann aber fast neutral. Auch der Bitcoin-Kurs erholte sich von 30.000 auf 35.000 Dollar.

Was war passiert? Aus den Protokollen der Fed ging hervor, dass bei ihrem Treffen am 27. und 28. April kontrovers diskutiert worden war: Wenn die Wirtschaft sich weiterhin so schnell erhole und die Zielwerte der Fed erreiche, dann „könnte es an einem bestimmten Punkt angemessen sein zu beginnen, über einen Plan zu diskutieren, um die Geschwindigkeit der Anleihekäufe anzupassen“. Diese Worte genügten, um die Anleger kurzfristig in Alarmstimmung zu versetzen. 

Die US-Notenbank unterstützt die von der Coronakrise getroffene Wirtschaft mit monatlichen Geldspritzen von 120 Milliarden Dollar. Sie will daran so lange festhalten, bis substanzielle Fortschritte bei der Preisstabilität und der Arbeitslosigkeit erreicht sind.

Wie die Protokolle zeigen, sollen die Besserungsschritte bewertet und erst mit längerem zeitlichen Verzug Hilfen tatsächlich zurückgefahren werden, wenn sich die substanziellen Fortschritte auch eingestellt haben.

Der Zeitpunkt für eine neue Fed-Politik könnte näher rücken

Nicht nur die Mitschriften aus den Fed-Meetings deuten auf eine mögliche strengere Geldpolitik hin. Auch die Äußerungen mehrerer Notenbanker gehen in diese Richtung: So sagte der Präsident der Fed in St. Louis, James Bullard, am Mittwoch gegenüber Journalisten: „Wenn wir den Punkt erreichen, an dem wir uns wohlfühlen, was die Gesundheit angeht, dass die Pandemie hinter uns ist und nicht irgendwie überraschend wiederkommt, dann denke ich, können wir darüber sprechen, die Geldpolitik anzupassen.“ Er glaube zwar nicht, dass man schon an dem Punkt sei, „aber es sieht so aus, als nähern wir uns dem Punkt“, sagte Bullard.

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Der Fed-Präsident aus Atlanta, Raphael Bostic, sagte ebenfalls am Mittwoch gegenüber dem Finanzdienst Bloomberg: „Wir müssen sehr flink sein, die Wirtschaft zu beobachten und mit unserer Politik darauf zu antworten.“

All diese Äußerungen sind zwar nicht wirklich überraschend. Die Fed hat seit einiger Zeit klargemacht, dass sie ihre Politik der Erholung der Wirtschaft anpassen werde. Doch der Zeitpunkt könnte näher rücken, und die Anleger sind in diesen Zeiten so nervös, dass sie schnell negativ reagieren.

„Man kann einen leichten Wandel bei den Untertönen ausmachen“, erklärte Krishna Guha vom Investmenthaus Evercore ISI. „Ich denke, sie erkennen, dass man die Welt nicht mit dem gleichen festen Blick anschauen kann, wenn dieser Zyklus immer neue Überraschungen bietet.“

Die Fed-Sitzung im April fand noch vor Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten statt, die im April enttäuschend ausgefallen waren, weil weit weniger Jobs entstanden sind als erwartet. Außerdem hat in der Zwischenzeit ein kräftiger Preisschub eingesetzt, der an den Finanzmärkten Befürchtungen aufkommen ließ, dass die Inflationsentwicklung aus dem Ruder laufen könnte.

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