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Hedgefonds
Ray Dalio erhöht seine Milliarden-Wette auf fallende Dax-Kurse

Der weltgrößte Hedgefonds spekuliert mittlerweile bei zwölf Papieren aus dem deutschen Leitindex auf schwächere Notierungen. Bisher waren es acht Werte.

20.03.2020 | von Jürgen Röder

Bridgewater-Gründer Ray Dalio © Reuters

Düsseldorf Ray Dalio, der Gründer des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater, setzt zurzeit massiv auf fallende Kurse bei Dax-Werten. Nun hat er seine Wette am vergangenen Mittwoch sogar erhöht: Statt drei Milliarden Euro wie zu Beginn der Spekulation vor einer Woche sind es mittlerweile 3,3 Milliarden Euro. Anstatt acht Werte wie bislang sind es mittlerweile zwölf Papiere. Neu hinzugekommen sind Leerverkäufe auf Münchener Rück, Bayer, BASF und Adidas.

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Bridgewater musste in diesem Jahr allerdings ein Minus von 21 Prozent hinnehmen. „Nun muss Bridgewater-Gründer Ray Dalio seine Mitarbeiter dazu bringen, Gerüchte zu zerstreuen, dass sein Fonds abgestürzt sei“, meint Bloomberg-Kolumnist Shuli Ren.

Bemerkenswert ist: Bridgewater ist praktisch der einzige Hedgefonds, der auf fallende Kurs bei diesen zwölf Titeln setzt. Allerdings müssen solchen Spekulationen erst gemeldet werden, wenn sie mindestens 0,5 Prozent der frei handelbaren Aktien betragen.

Der Hedgefonds AQR Capital Management beispielweise setzt bereits seit längerem auf fallende Kurse am deutschen Aktienmarkt, aber nur bei den Aktien der Deutschen Bank, RWE und Thyssen-Krupp. Auch schon länger aktiv in dieser Sache ist Mittbewerber Marshall Wace, der auf schwächere Notierungen bei den Titeln von Wirecard, Lufthansa und K+S setzt.

Bei Bridgewater liegen die Quoten, die sich auf die Zahl der frei handelbaren Aktien beziehen, bei den einzelnen Titeln zwischen 0,89 Prozent (Versicherungskonzern Allianz) und 0,56 Prozent (Gesundheitskonzern Fresenius). Die größte Spekulationssumme beträgt rund 730 Millionen Euro und betrifft den Softwarekonzern SAP.

Viele Hedgefonds haben durch Wetten auf fallende Kurse hohe Gewinne erzielt

Anders als Investmentfonds dürfen die unregulierten Hedgefonds das gesamte Geld auf fallende Kurse oder erhöhte Schwankungen setzen. Denn Hedgefonds müssen sich im Gegensatz zu Investmentfonds kaum an Regeln der Finanzaufseher wie der deutschen Bafin halten.

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Dementsprechend dürften die aktuellen Marktturbulenzen, die der schnellste Crash der Börsengeschichte sind, für Hedgefonds eine Einladung zum „free lunch“ sein. Dieser Begriff bezeichnet in der Investmentbranche einen risikofreien Profit.

Viele dieser Hedgefonds haben durch Wetten auf fallende Kurse jetzt hohe Gewinne erzielt. Der auf Volatilitätshandel konzentrierte „Convex Asia Fund“ legte nach eigenen Angaben bis zum 13. März um schätzungsweise 19 Prozent zu.

Der ebenfalls auf Schwankungsbreite setzende „Discretionary Long Volatility Fund“ von One River Asset Management ist laut einem am Donnerstag versendeten Update in diesem Jahr sogar um 74 Prozent gestiegen, meldet der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg.

Investoren leihen Aktien, bei denen sie mit Kursverlusten rechnen

Bei Leerverkäufen leihen sich die Investoren Aktien von Unternehmen, bei denen sie mit Kursverlusten rechnen. Diese Papiere verkaufen sie danach und hoffen darauf, dass die Notierungen fallen. Dann können sie die Aktien später günstiger zurückkaufen und an den Verleiher zurückgeben.

Fällt der Kurs tatsächlich, behält der Investor die Differenz aus Verkaufs- und Kaufwert als Gewinn, abzüglich einer Leihgebühr. Steigen die Aktien hingegen, macht der Spekulant Verluste. Er muss sie teurer zurückkaufen als er sie abgegeben hat. Theoretisch sind so extreme Verluste möglich, wenn das Papier immer weiter raufklettert.

Eine-Short-Spekulation von Hedgefonds kann aber auch andere Gründe haben. Sie können sich auf diese Weise auch absichern, um das Risiko von Verlusten zu verringern. Auf diese Art würde Bridgewater bereits profitieren, wenn sich US-Titel im Vergleich zu deutschen Aktien besser entwickeln – auch wenn beide Segmente fallen sollten.

Bereits vor zwei Jahren hatte der Fonds massiv auf fallende Kurse bei europäischen Aktien gesetzt. In der Spitze betrug die Summe, mit der allein auf schwächere Notierungen bei mehreren Dax30-Werte gesetzt wurde, 5,5 Milliarden Euro.

Mehr: Wie groß die Positionen auf deutsche Aktien sind, zeigt eine Übersicht der entsprechenden Handelsblatt-Datenbank. Die Onlineanwendung zeigt alle Leerverkäufe von Investoren („Positionsinhaber“), die mehr als 0,5 Prozent der frei handelbaren Aktien eines Unternehmens („Aktiengesellschaft“) ausmachen und im „Bundesanzeiger“ veröffentlicht werden.

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