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Dax-Sentiment
Anleger erwarten steigende Kurse, wollen aber keine Aktien kaufen

Die Diskrepanz zwischen Zukunftsoptimismus und Investitionsbereitschaft war bei der Dax-Umfrage noch nie so groß. Dafür sind zwei Erklärungen möglich.

09.08.2021 | von Jürgen Röder

Statue von Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse © imago images/Jan Huebner

Düsseldorf Der Weg nach oben gestaltet sich für den Dax schwierig. Das zeigen erneut die Daten der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment. Nach Meinung des Sentimentexperten Stephan Heibel, der die wöchentliche Umfrage auswertet, ist ein wichtiger Grund: „Es gibt kaum noch Kaufbereitschaft.“ Seiner Meinung nach werden Anleger wie bereits in der Vergangenheit bei steigenden Kursen und auch bei guten Unternehmensnachrichten Gewinne mitnehmen.

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Aus dem gestiegenen Zukunftsoptimismus Ende der vergangenen Woche lässt sich ableiten: Viele Anleger warten sehnsüchtig auf einen Ausbruch des Dax nach oben, also ein Überspringen des bisherigen Rekordhoch, das bei 15.811 Punkten liegt.

Das führt zu der Frage: Warten die Anleger nur auf bessere Kurse, um zu kaufen? Nein. Denn die negative Investitionsbereitschaft, die das Dax-Sentiment erkennen lässt, zeigt, dass Anleger eher zu höheren Kursen verkaufen wollen als zu niedrigeren Kursen kaufen.

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Das bedeutet: Ein neues Rekordhoch würde nicht automatisch neue Käufer generieren, die den Dax in Richtung 16.000 Punkte treiben würden. Im Gegenteil: Stiege das deutsche Börsenbarometer über diese Marke, würden wohl Gewinnmitnahmen den deutschen Leitindex deckeln.

Seit September 2014 existiert die Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment, doch solch eine Diskrepanz zwischen einem vergleichsweise hohen Zukunftsoptimismus einerseits und negativer Investitionsbereitschaft andererseits gab es noch nie. Auf den ersten Blick erscheint das alles rätselhaft. Üblicherweise geht eine solche „Kaufverweigerung“ mit der Erwartung fallender Kurse einher.

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Sentimentexperte Heibel hat für dieses paradoxe Verhalten zwei Erklärungen: Entweder sind Anleger bereits so stark investiert, dass sie trotz ihres Optimismus nicht noch zusätzlich Positionen aufbauen wollen oder können. Oder aber sie genießen einfach den Sommer und freuen sich über die hohen Kursgewinne, die sie dank der Impfstoffrally seit Anfang November erzielen konnten.

Allerdings hat die Bereitschaft der Anleger, eher zu höheren Kursen verkaufen als zu niedrigeren Kursen kaufen zu wollen, noch eine andere Nebenwirkung: Nach unten gibt es wenig Absicherung. „Sollten die Kurse bröckeln, könnte sich eine Abwärtsdynamik entwickeln, die den Dax schnell ein paar Hundert Punkte tiefer führt“, meint der Inhaber des Analysehauses AnimusX. Sein Ratschlag an die Anleger: lieber den ein oder anderen Gewinn mitnehmen, um im Fall eines Rücksetzers wieder kaufen zu können.

Aktuelle Umfragedaten

In der vergangenen Handelswoche stieg der Dax um 1,4 Prozent, das Rekordhoch von 15.811 Punkten war in greifbarer Nähe. Auf Basis der Wochenschlusskurse wurde am vergangenen Freitag ein neuer Rekord erreicht. Kein Wunder: Eine Reihe von Dax-Schwergewichten hatte Zahlen veröffentlicht. Bislang konnten die meisten überzeugen.

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Entsprechend ist die Laune unter Anlegern gut: Weder Delta-Mutation noch die Diskussion in den USA über ein Ende der Liquiditätsflutung seitens der Notenbank Fed führen hierzulande zu ernsthafter Besorgnis oder zu einer leichten Verstimmung. Im Gegenteil: Das Anlegersentiment stieg auf 1,4, nachdem es in der Vorwoche auf die Nulllinie abgesackt war.

Auch die Selbstzufriedenheit ist leicht auf 1,3 angestiegen. Das ist ein eher neutraler Wert, der lediglich zeigt, dass der Anflug von Verunsicherung aus den Vorwochen bereits wieder vorbei ist.

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Die Zukunftserwartung notiert seit Wochen fast unverändert auf einem moderat optimistischen Niveau und konnte diese Woche sogar noch auf 3,4 Prozent zulegen. Während die Kursschwankungen in diesen Sommerwochen bisweilen auf die Laune schlagen, bleibt die Zuversicht über die rosigen Aussichten am Aktienmarkt ungebrochen.

Da verwundert es, dass die Investitionsbereitschaft mit einem Wert von minus 0,3 sehr gering ist. Vor drei Monaten war sie ähnlich niedrig, allerdings war der Grund einleuchtend: Die Investoren befürchteten fallende Kurse.

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Das Euwax-Sentiment der Privatanleger ist auf einen Wert von 2,5 zurückgekommen. Die bullishen Positionierungen der vergangenen Wochen wurden also zurückgefahren.

Eine Umkehr der US-Anleger zeigt das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse CBOE an: Die seit November vergangenen Jahres, seit Beginn der Impfstoffrally, bestehende starke Long-Positionierung der Investoren wird in den USA langsam zurückgefahren. Das Put/Call-Verhältnis zeigt einen deutlichen Rückgang der Long-Spekulationen an.

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US-Fondsanleger hingegen haben ihre Investitionsquote in der abgelaufenen Woche um 20 Prozentpunkte auf 97 Prozent erhöht. US-Privatanleger sind überwiegend neutral gestimmt, das Bulle/Bär-Verhältnis zeigt mit einem Wert von vier Prozent nur einen leichten Überhang der Bullen an. Im Vergleich zur Vorwoche ist mit acht Prozentpunkten ein Teil der zuvor neutral eingestellten Anleger ins Bärenlager gewechselt. Neue Bullen sind hingegen nicht hinzugekommen.

Der anhand technischer Marktindikatoren berechnete „Angst-und-Gier-Indikator“ der US-Märkte notiert mit 36 Prozent im neutralen Bereich. Die extreme Angst, die noch vor einer Woche gemessen wurde, ist verflogen.

Hinter Erhebungen wie dem Dax-Sentiment mit mehr als 6000 Teilnehmern stehen zwei Annahmen: Wenn viele Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse in die Höhe treiben könnten. Umgekehrt gilt: Wenn die Anleger pessimistisch sind, haben sie mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken.

Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentiment-Umfrage informieren, und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.

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