ABO
Anzeige

Nach Kritik von Investoren
Commerzbank-Chef Zielke tritt zurück – und hinterlässt ein Führungsvakuum

Neben Zielke verlässt überraschend auch Aufsichtsratschef Schmittmann das Institut. Ausschlaggebend war das fehlende Vertrauen von Investoren in das Führungsduo.

03.07.2020| Update: 03.07.2020 - 19:04 Uhr | von Andreas Kröner und Tobias Döring

Martin Zielke (li.), Stefan Schmittmann © AFP

Frankfurt, Düsseldorf Paukenschlag bei der Commerzbank: Vorstandschef Martin Zielke und Chefkontrolleur Stefan Schmittmann haben am Freitagabend überraschend ihren Rückzug angekündigt. Ausschlaggebend dafür war Finanzkreisen zufolge die Kritik des Großaktionärs Cerberus, die inhaltlich auch von anderen Investoren und der breiten Öffentlichkeit geteilt wurde.

Anzeige

Zielke wurde am Ende klar, dass er nicht mehr genügend Rückhalt für den anstehenden Umbau des Frankfurter Geldhauses hat. „Die Bank braucht eine tiefgreifende Transformation und dafür einen neuen CEO, der vom Kapitalmarkt auch die notwendige Zeit für die Umsetzung einer Strategie bekommt“, sagte der 57-Jährige.

Zielke bot dem Präsidial- und Nominierungsausschuss des Aufsichtsrats deshalb an, seinen eigentlich noch bis November 2023 laufenden Vertrag einvernehmlich aufzuheben. Mit seinem Rückzug übernehme er auch die Verantwortung für die unbefriedigende finanzielle Performance der Bank, erklärte Zielke, der auch Präsident des Privatbankenverbands BdB ist.

Der Aufsichtsrat will nun spätestens bis Jahresende einen Nachfolger bestimmen. Intern gelten Firmenkundenchef Roland Boekhout und Finanzchefin Bettina Orlopp als mögliche Kandidaten. Da es keinen stellvertretenden Vorstandschef gibt, könnte fürs Erste auch Risikovorstand Marcus Chromik übernehmen, der dem Führungsgremium der Bank am längsten angehört.

Einfach wird der Neuanfang jedoch nicht, denn neben Zielke kündigte auch Aufsichtsratschef Schmittmann seinen Rückzug an – und zwar zum 3. August. Er habe alle strategischen Entscheidungen des Vorstands in vollem Umfang mitgetragen, sagte Schmittmann. Die Strategie der Bank habe aber keine ausreichende Akzeptanz im Kapitalmarkt gefunden.

„Daher bin ich zu dem Schluss gekommen, dass auch ich hier in der Verantwortung stehe und sie auch übernehmen sollte“, erklärte der Chefkontrolleur. Der Bank, dem Vorstandsteam und den Mitarbeitern stünden tiefgreifende Veränderungen bevor. „Das wird viel Kraft und Anstrengungen kosten und sollte frei sein von immer wieder aufflammenden Personaldebatten und Diskussionen.“

Die Anleger reagierten nur schwach auf die Abgänge der Führungsspitze. Im nachbörslichen Handel verzeichnete die Commerzbank-Aktie ein kleines Plus von 0,2 Prozent.

Anzeige

Teller könnte neuer Chefkontrolleur werden

Der Aufsichtsrat will am Mittwoch beraten, wie es weitergeht. Als ein Kandidat für die Schmittmann-Nachfolge gilt Nicholas Teller. Für Erste könnte jedoch auch der stellvertretende Aufsichtsratschef Uwe Tschäge übernehmen. Er ist Vorsitzender des Gesamt- und Konzernbetriebsrats.

Am Dienstag hatte Tschäge im Gespräch mit dem Handelsblatt gefordert, dass der anstehende Stellenabbau sozial verträglich ablaufen müsse. Deutschlands zweitgrößte Privatbank müsse dafür einen angemessenen Zeitraum wählen und genügend Geld für Altersteilzeitmodelle und ähnliche Instrumente zur Verfügung stellen.

„Betriebsbedingte Kündigungen darf es nicht geben, dafür werden wir kämpfen“, sagte Tschäge. „Hier erwarte ich auch vom Bund als Großaktionär Unterstützung. Gerade die SPD muss sich in der Bundesregierung dafür einsetzen, dass mit den Mitarbeitern der Commerzbank anständig umgegangen wird.“

Die Bundesregierung ist seit der staatlichen Rettung in der Finanzkrise an der Commerzbank beteiligt und mit einem Anteil von 15,6 Prozent größter Aktionär. Das Bundesfinanzministerium äußerte sein Bedauern über den Abgang von Zielke und Schmittmann. Der Bund danke beiden „ausdrücklich für ihr außerordentliches Engagement unter schwierigen Bedingungen, in denen sich das Geldinstitut befunden hat“, erklärte der Finanzministerium. „Herr Zielke und Herr Dr. Schmittmann haben sich große Verdienste um den Finanzstandort Deutschland erworben.“

Der Bund stehe voll hinter seinem Engagement beim Frankfurter Geldhaus, betonte das Finanzministerium. „Die Commerzbank spielt eine zentrale Rolle für die Mittelstands- und Exportfinanzierung der deutschen Wirtschaft.“ Der Bund sei deshalb an einer starken und zukunftsfähigen Commerzbank interessiert.

Cerberus unglücklich über Führungsvakuum

Martin Zielke ist seit Mai 2016 Vorstandschef der Commerzbank. Er stieg unter seinem Vorgänger Martin Blessing kurz nach der Finanzkrise im Jahr 2010 in den Vorstand der Commerzbank auf. Als Chef der Privatkundensparte brachte Zielke das lange schleppende Geschäft wieder auf Touren. Unter seiner Ägide stieg die Bank im Herbst 2018 aus dem Dax in den MDax ab.

Der Finanzinvestor Cerberus, der gut fünf Prozent an der Commerzbank hält, hatte den Kurs des Instituts zuletzt in zwei öffentlich gewordenen Briefen scharf kritisiert und härtere Einschnitte angemahnt.

Zu den Personalien wollten sich die Amerikaner am Freitagabend nicht äußern. Grundsätzlich sei der Rückzug von Zielke richtig, hieß es im Umfeld von Cerberus. Nicht gut sei dagegen, dass Schmittmann auch hinschmeiße und somit ein Führungsvakuum entstehe.

Bevor die Bank über eine neue Strategie entscheide, müsse nun zunächst die personelle Neuausrichtung des Instituts geklärt werden, heißt es im Umfeld des Finanzinvestors. Dafür brauche es Kandidaten, die sowohl von den Aktionären als auch von den Arbeitnehmern unterstützt würden.

Die Commerzbank arbeitet seit Monaten an einer neuen Strategie, die eigentlich Anfang August vorgelegt werden sollte. Finanzkreisen zufolge dachte der Vorstand dabei zuletzt darüber nach, bis 2023 zwischen 7000 und 11.000 Arbeitsplätze zu streichen. Das würde in etwa jeder vierten Stelle entsprechen.

Weiterlesen...

Anzeige
ICO/Audio-Play@1,5x stop „@1x