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Mega-Börsengang
Ant verhandelt mit chinesischen Regulierern – und nimmt neuen Anlauf für den IPO

Der Börsengang des chinesischen Finanzdienstleisters war im November überraschend abgesagt worden. Nun strukturiert sich das Unternehmen um.

08.02.2021 | von Dana Heide

Ant Financial Services Group © Reuters

Peking Die Unternehmensführung von Ant hatte wohl geahnt, dass es noch Ärger geben würde. Noch im Juli 2020 hatte sich das Unternehmen, das sein Geld vor allem mit Finanzdienstleistungen verdient, umbenannt. Fortan sollte es nicht mehr Ant Financial Group, sondern nur noch Ant Technology Group heißen, kurz Ant Group.

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Doch am Ende half es dem Konzern mit Hauptsitz in Hangzhou nichts, sich hinter einem neuen Namen zu verstecken. Das Unternehmen war der chinesischen Regierung in seiner Funktion als Finanzdienstleister zu mächtig geworden, und Unternehmensgründer Jack Ma äußerte sich zu kritisch in der Öffentlichkeit. Deshalb ließ die Regierung den eigentlich für November geplanten Mega-IPO des Unternehmens platzen. Es hätte der weltgrößte Börsengang werden sollen.

Seitdem liegt das Vorhaben auf Eis, und es wird gerätselt, wann das Unternehmen seine Pläne für die Erstnotierung wieder aufnimmt. In dieser Woche könnte nun Bewegung in den Prozess kommen.

Durchbruch schon diese Woche möglich

Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, könnte Ant schon dieser Woche einen Durchbruch bei den Verhandlungen mit den chinesischen Regulierern verkünden.

Man habe sich laut Angaben von Insidern auf einen Plan zur Restrukturierung geeinigt, hieß es. Er könnte noch vor dem Beginn des chinesischen Neujahrsfesttags am 11. Februar verkündet werden. Chinesische Regulierungsbehörden hatten von dem Konzern eine Restrukturierung verlangt.

Konkret sieht der Plan laut einem Bericht der Finanznachrichtenagentur Bloomberg vor, dass alle Geschäftsbereiche von Ant unter einer Finanz-Holding zusammengeführt werden.

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Dazu gehörten auch die Technologiebereiche des Unternehmens wie Blockchain und Essenslieferdienste. In einem ersten Vorschlag hatte der Konzern zunächst versucht, nur die direkten Finanzdienstleistungen unter einer neuen Struktur zusammenzufassen.

Wenn das Unternehmen komplett als Finanzholding geführt wird, würde das den Konzern unter eine strengere Regulierung als bislang stellen – und damit den Plänen der chinesischen Regierung entsprechen.

Chinas Führung will Macht von Techriesen einschränken

Denn Chinas Führung ist in den vergangenen Monaten mit einer Reihe von neuen Regeln sowie Prozessen gegen große Unternehmen wie Finanzdienstleister und Techfirmen vorgegangen. Sie will die Macht von Alibaba, Tencent und Co. einschränken. Erst am Sonntag erließ Chinas Marktregulierungsbehörde neue Anti-Monopolregeln, die auch Bezahldienstleister wie Ant unter eine strengere Regulierung stellen.

Jahrelang konnten Chinas Techkonzerne ungebremst wachsen, weil eine schlagkräftige Regulierung fehlte. Durch Chinas „Great Firewall“, mit der die Staatsführung das chinesische Internet kontrolliert, wurden sie zusätzlich noch abgeschirmt vor mächtiger Konkurrenz aus den USA.

Zahlreiche Dienste, wie etwa Google oder Twitter, sind in China nicht zugänglich. So ist ein riesiges Techreich entstanden, das inzwischen das Leben der Menschen in der Volksrepublik vollkommen dominiert.

Ant wurde im Jahr 2004 unter dem Namen Alipay von Jack Ma als Zahlungsabwickler für dessen Onlinehandelsunternehmen Alibaba gegründet. Im Jahr 2011 löste Ma Alipay aus Alibaba heraus in ein eigenes Unternehmen, das er noch immer selbst kontrolliert. Alibaba hält inzwischen nur noch 33 Prozent der Anteile an Ant.

Das Unternehmen veröffentlicht zwar keine Quartalsberichte, basierend auf dem Geschäftsbericht von Alibaba kann man jedoch hochrechnen, dass der Gewinn von Juli bis September bei 14,5 Milliarden Yuan (rund 1,9 Mrd. Euro) gelegen hat.

Ant ist vor allem mit der Bezahldienstleistungs-App Alipay groß geworden. Laut dem Marktforschungsunternehmen Analysys haben Ants Konkurrent Tencent und Ant selbst einen Anteil am Markt für mobile Zahlungsdienstleistungen in China von fast 94 Prozent.

Ant hält dabei den Löwenanteil mit rund 55 Prozent, Tencent 39 Prozent. Wer in der Volksrepublik bezahlt, tut dies entweder mit Tencents App Wechat oder Ants App Alipay.

Inzwischen ist der Konzern aber auch auf anderen Feldern tätig. Einen großen Teil seines Umsatzes macht er mittlerweile mit der Vergabe von Kleinstkrediten an Konsumenten – und das soll den Regulierern ein Dorn im Auge gewesen sein.

IPO wird noch dauern

Beobachter rechnen trotz möglicher Fortschritte im Restrukturierungsprozess damit, dass es noch eine Weile dauern wird, bis Ant seine ursprünglichen IPO-Pläne wieder aufnehmen kann.

So müsste ein finaler Plan laut Informationen des „Wall Street Journals“ auch noch von dem Financial Stability and Development Committee abgesegnet werden, einer übergeordneten Regulierungsbehörde, die dem Staatsrat unterstellt ist, einer Art Kabinett Chinas.

Zudem muss Ant auch neuen Regulierungen entsprechen, die in den vergangenen Monaten erlassen wurden. Dazu ist laut Analysten auch eine enorm hohe Kapitalaufstockung nötig.

Ende Januar hatte der Chef der chinesischen Zentralbank Yi Gang die Hoffnungen von Investoren auf eine Wiederaufnahme des Börsengangs noch befeuert. Um die Probleme bei Ant zu lösen, bräuchten die Regulierungsbehörden einen klaren rechtlichen Rahmen, sagte Yi auf einem Panel des Weltwirtschaftsforums.

„Ich würde sagen, dass dies ein Prozess ist, und wenn das Problem gelöst ist, wird es zurück auf die Schiene gehen, um die Betrachtung nach dem Gesetz fortzusetzen“, sagte Yi. Auf die Frage, ob das einen Börsengang bedeutet, fügte er hinzu, wenn das Unternehmen der rechtlichen Struktur folge, werde es das zum Ergebnis haben.

Auch Alibaba im Fadenkreuz der Regulierer

Nicht nur Ant steht unter besonderer Beobachtung der chinesischen Regulierungsbehörden. Auch Alibaba selbst steht im Fadenkreuz. Ende Dezember teilte Chinas Marktaufsichtsbehörde mit, dass sie eine kartellrechtliche Untersuchung gegen das Unternehmen eingeleitet hat.

Wie sehr Alibaba unter Druck steht, kann man an der Aktie ablesen, die seit Oktober zeitweise um 30 Prozent an Wert verloren hat. Nachdem Alibaba- und Ant-Gründer Jack Ma sich Ende Oktober kritisch zu den chinesischen Regulierungsbehörden geäußert hatte, verschwand er für drei Monate von der Bildfläche.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Jack Ma eines seiner Unternehmen restrukturieren muss. Auch die Herauslösung von Ant aus dem Alibaba-Imperium im Jahr 2011 wurde damals damit gerechtfertigt, dass es nur durch eine Anpassung der Eigentümerstruktur möglich gewesen sei, die Anforderungen der chinesischen Regierung zur Erlangung einer Banklizenz zu erfüllen.

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