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Auktion in Köln
Das Gros der Altmeister fällt an ausländische Käufer

Kunstgewerbe und Alte Meister sind bei Lempertz bei internationalen Sammlern begehrt. Der Emir von Dubai ersteigert einen großen Kölner Rathausteppich.

24.11.2022 | von Christian Herchenröder

Adriaen van Overbeke © Kunsthaus Lempertz

Köln Mit einem Gesamtumsatz von 8,7 Millionen Euro für seine Auktionen Alter Kunst kann das Kölner Traditionshaus Lempertz prunken. Das sind über 2 Millionen mehr als die entsprechende Herbstauktion 2021 eingespielt hat. Großer Gewinner war das Kunstgewerbe – unter anderem Porzellan und Einrichtungsobjekte aus einer westfälischen Privatsammlung – das den Erlös auf 4 Millionen Euro schnellen ließ.

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Bei den Altmeister-Gemälden und Werken des 19. Jahrhunderts erfüllten sich nicht alle Hoffnungen. Aber es gab unter den meist vorsichtig zur unteren Taxe bebotenen Gemälden gleichwohl markante Zuschläge. Bislang galt hier die Regel, dass fast drei Viertel des Altmeister-Angebots an ausländische Käufer fielen. Diesmal waren mehr deutsche Sammler als sonst am Zug.

Eines der Bilder mit der höchsten Preiserwartung, ein prachtvolles wiederentdecktes Blumenstück von Jan Davids. de Heem musste aus Erbschaftsgründen bis zum nächsten Herbst zurückgezogen werden. Auch das Porträt eines bärtigen alten Mannes, ein bisher unbekanntes Meisterwerk des Leideners Jan Lievens, blieb mit dem unter Vorbehalt notierten Hammerpreis von 440.000 Euro weit unter der hochgemuten Taxe von 500.000 bis 600.000 Euro.

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Dafür stieg ein auf 400.000 Euro angesetzter dreiteiliger Privataltar des Antwerpener Meisters Adriaen van Overbeke mit figurenreichem „Ecce Homo“ auf der Mitteltafel auf 780.000 Euro mit Aufgeld. Käufer ist ein Brüsseler Privatsammler, der sich gegen zwei Online-Bieter durchsetzte.

Ebenfalls in Brüsseler Privatbesitz ging das makellose, von Todesfauna und Flora strotzende Waldstück des in Utrecht zu Ruhm gelangten Frankfurters Abraham Mignon, das mit 453.600 Euro seiner Schätzung gerecht wurde. Stillleben hatten einen guten Tag, wenn auch zu konstatieren ist, dass mittelmäßige Werke nach wie vor schwer abzusetzen sind.

Salvator Rosa © Kunsthaus Lempertz

Eine im Saal sitzende italienische Händlerin ersteigerte drei Lose: zwei figurenreiche antike Szenen des Wieners Franz Christoph Janneck für 151.200 Euro, eine weibliche Halbfigur des Bolognesen Ubaldo Gandolfi für 75.600 Euro und eine felsige Seelandschaft von Claude-Joseph Vernet.

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Ein baden-württembergischer Sammler begeisterte sich für eine museale Küstenlandschaft von Salvator Rosa (138.600 Euro), ein Kölner Sammler für eine Räuberszene von Jan Brueghel d. J. und Sebastian Vrancx (126.000 Euro) und ein Hamburger Sammler für ein charaktervolles Männerporträt von Nicolaes Maes (47.800 Euro). Ein griechischer Sammler ließ sich für schätzkonforme 63.000 Euro eine Waldlandschaft des Antwerpeners Adriaen van Stalbemt zuschlagen.

Teuerste Skulptur wurde eine wohl burgundische Stein-Madonna mit älterer Farbfassung, die online für moderate 45.360 Euro abgegeben wurde. Generell ist festzuhalten, dass Kunst mit religiösen Motiven immer schwerer abzusetzen ist, weil das ikonographische Wissen fehlt.

Die Malerei des 19. Jahrhunderts wurde wie immer selektiv aufgenommen. Aber es gab starke Preise für vier Maler, allen voran Oswald Achenbach. Von ihm rückte nach langer Zeit mal wieder ein römisches Motiv über die Schwelle von
100.000 Euro. Käufer ist ein römischer Händler, der das Großformat mit dem Quirinalspalast wohl mehr wegen des Sujets als wegen seines Künstlers für 126.000 Euro erwarb.

Oswald Achenbach © Kunsthaus Lempertz

Für 104.580 Euro zum Dreifachen seines Schätzwerts ersteigerte ein Londoner Händler Carl Rottmanns sonnendurchflutete Aulis-Landschaft. 57.960 Euro investierte ein Münchner Sammler in eine Ansicht auf Freiburg des Schweizer Vedutenmalers Johann Jakob Biedermann.

So wenig Ausfälle wie selten gab es bei dem voluminösen Angebot von Silber und Porzellan. Beim Silber ging eine vergoldete Renaissance-Deckelkanne des Augsburger Meisters Paul Hübner für 60.480 Euro in spanischen Privatbesitz. Ein polnischer Sammler erwarb einen barocken Danziger Deckelhumpen mit der Darstellung des siegreichen Königs Jephta für 42.840 Euro.

Für 48 000 Euro wandert ein Paar Dresdner Tafelleuchter aus der Hofsilberkammer Kurfürst Friedrich Augusts II. in norddeutschen Privatbesitz. Langatmig, aber durch die Bank erfolgreich war das Angebot des europäischen Tafelsilbers.

Wie schon in den vergangenen Kunstgewerbe-Auktionen des Kölner Hauses waren chinesische Käufer beim Meissen-Porzellan aktiv. So werden eine Teekanne mit Chinoiserie und Augustus Rex-Marke für 44.100 Euro und eine Augustus Rex-Vase mit Gelbfond und Chinoiserien zum Spitzenpreis von 138.600 Euro nach China reisen. Das Königliche Schloss in Warschau sicherte sich für 57.960 Euro eine runde Schüssel aus dem Schwanenservice.

Schmuck setzte Lempertz restlos ab

Eine vorgeschaltete Kunstgewerbe-Auktion, die dem restlos abgesetzten Schmuck folgte, hatte ihren Höhepunkt nicht bei der unverkauften Samson-Skulptur von Pietro und Gian Lorenzo Bernini, sondern bei den zahlreichen vergoldeten Wandappliken, die aus westfälischem Privatbesitz stammten. Den höchsten Preis von 47.800 Euro erlösten drei Paar dieser mit Emailblüten besetzten Leuchter. Eine weiß-gold gefasste Münchner Rokoko-Kommode nach Entwurf von Francois Cuvilliés erreichte mit 37.800 Euro die Schätzung.

Am Ende dieser Versteigerung begeisterten sich arabische Bieter für die drei sogenannten Kölner Rathausteppiche aus Täbris, die eine interessante Vergangenheit haben. Als Auftragswerke für Hitlers Neue Reichskanzlei bestellt, wurden sie erst nach Kriegsende fertig und 1962 von einem Schweizer Händler im Kölner Kaufhof ausgestellt, wo sie die Stadt erwarb. Sie erlösten jetzt insgesamt 208.860 Euro.

Der mit 140 x 62 Meter monumentalste „Große Teppich“ stieg von 30.000 auf 100.800 Euro. Der Emir von Dubai war der erfolgreiche Bieter.

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